Kultur-Maschine-Co-Design

In der Softwareentwicklung ist der Fokus zu sehr auf die Maschine gerichtet. Der Mensch liegt quasi im blinden Fleck der Betrachtung. Gunter Dueck nennt als Beispiel Fachbildschirm-Rückseitenberatung: Man hat beim Design der Formulare für den Autoverkäufer vergessen, dass dieser beim Autoverkauf im Gespräch mit seinem Kunden ist, der nur die Rückseite des Flachbildschirms sieht. An ein Display für den Kunden wurde nicht gedacht. Die Gesprächssituation wurde nicht mit modelliert. Wie kann einem professionellen System-Designer so etwas passieren?

Nicht die Formulare müssen durchstrukturiert werden, sondern die Gesprächssituation, der größere Kontext. Der Mensch muss aus dem blinden Fleck heraus mit in den Fokus gerückt werden. Man könnte in diesem Sinne von einem Mensch-Maschine-Co-Design sprechen.

In großen Organisationen ist es auf konventionellem Wege fast unmöglich, einheitliche Standards, Workflows und Methoden organisationsweit zu verankern, so dass sie auch einheitlich gelebt werden. Mit der Einführung der EDV wurde diese Verankerung so nebenbei quasi geschenkt, ohne dass man große Worte darum machen musste. Die Systeme wurden dabei intensiv beobachtet und erforscht, weniger jedoch die Kultureffekte: Was machen die neuen Systeme mit den Menschen, mit ihrer Kommunikation und Kultur? Das muss im Ganzen betrachtet werden. Man könnte in diesem Sinne von einem Kultur-Maschine-Co-Design sprechen.