Slidecast = Adding Audio To Slideshare

Unter http://de.slideshare.net/msincome/adding-audio-to-slideshare steht eine Beschreibung, wie man Audio zu seinen Slides hinzu fügt. Leider funktioniert es nicht immer. Hier ist ein gelungenes Beispiel:

  • Jede Folie hat ihren eigenen Audio-Track. Wenn man zur nächsten Folie springt, wechselt auch der Audio-Track. 
  • 1. Download Audacity is a free Audio recording and editing program for Windows and Mac
  • 2. Record your audio: see http://www.msiwebvideo.com/pod/pod.html or http://penxy.com
  • 3. Upload to a server: Once you record your audio try and crunch it down to 22050 x about 32kbs which is what this audio is. You can change the recording attributes in Audacity but if you are importing other audios they may be a different rating. You can resample with the free Razor Lame product.
  • 4. Upload and Publish: SlideShare accepts both PowerPoint or open office presentations and also PDF files which can also produce great looking presentations.
  • 5. Edit and Screencast
  • 6. Enter URL of your Audio
  • 7. Time your Audio with your slides

Universalität

Universalität ist ein besonderer Wert in der Informatik. Abstraktion, Refaktorisierung, Tools, etc. streben alle nach Universalität. Das DRY-Prinzip (Don´t Repeat Yourself) verlangt von den Programmierern Abstraktionen solange aus dem Konkreten heraus zu faktorisieren, bis deren Implementierung im Konkreten nicht mehr vorkommt. Dazu muss man das Verallgemeinerungsfähige erst einmal erkennen, entdecken oder aktiv gestalten: Die Abstraktion ist nicht immer Teil des Konkreten als fertig Vorhandenen, das man nur entdecken müsse. Stattdessen ist Erfindung, Theoriebildung, Kreativität erforderlich. Informatik zählt daher auch zu den Strukturwissenschaften: Nicht die Gesetze der Natur sind zu erkennen, sondern neue Strukturen zu erfinden. Das ist eine Abkehr von Platons Ideenlehre: Die Ideen sind nicht nur Abstraktionen, die zu Sinneserfahrungen in irgendeinem Verhältnis stehen, sondern sie können auch völlig neue Kreationen sein, die mit dem Vorhandenen, egal ob konkret oder abstrakt, ob Idee oder Objekt, nichts zu tun haben müssen.

Universalität ist eine andere Kategorie als Unabhängigkeit. Anytime, Anywhere, Anyhow bezeichnet nur die Unabhängigkeit von Zeit, Ort und Medium und dadurch seine Verfügbarkeit: Z.B. steht mir etwas mit dem Smartphone, Tablet, Browser immer und überall zur Verfügung:

Universalität

für jede Person, für jeden Zweck

Unabhängigkeit als Basis

Anytime, Anywhere, Anyhow

Lean Startup mit universellen Diensten

Lean Startup“ ist „Leichte Unternehmensgründung“,
ein neuer leichtgewichtiger Ansatz zur Unternehmensgründung,
2008 von Eric Ries erfunden,
der auf den Prinzipien des validierten Lernens,
des wissenschaftlichen Experimentierens,
iterativer Produkt-Entwicklung zur Verkürzung von Produktzyklen,
wissenschaftlicher Messung von Erfolg und Fortschritt
durch professionelles Monitoring und Evaluation
beruht.
(Youtube-Video unter http://www.youtube.com/watch?v=zOX1vC7_n6s.)

Der „Lean Startup“-Erfinder hat noch auf Zielgruppenorientierung gesetzt:
Man müsse genau wissen, für wen man Produkte und Dienste entwickelt.
Man müsse seine Kundschaft genau kennen
und seine Produkte und Dienste darauf maßschneidern.

Google, Apple, Facebook sind mit ihrer Strategie schon einen Schritt weiter:
Sie setzen auf universelle Dienste für die gesamte Menschheit in der Breite
statt schmalbandiger Zielgruppenorientierung.

Lean Startups für universelle Dienste
gehen also über die ursprüngliche Idee von Eric Ries hinaus
und erkennen den Wert, der in Universalität steckt.

Universelle Dienste sind es,
die die Menschheit verändern:
Lesen und Schreiben,
Tafel und Kreide,
Buchdruck,
Telefon,
Transport
waren solche universellen Werkzeuge und Dienste,
die Teil unserer Kultur und zur Selbstverständlichkeit wurden.

Was sind die Selbstverständlichkeiten der nächsten Generation?
An welche universellen Dienste werden wir uns in 10 Jahren gewöhnt haben?

Stell Dir vor,
dass Du für Deine Arbeit keine Spezialsoftware mehr brauchst.

Stattdessen kannst Du Dich aus einem umfangreichen Werkzeugkasten
universeller Dienste 
so bedienen, dass Deine Arbeit schnell und leicht zu erledigen ist.

In der digitalen Welt gibt es schon heute
Google Docs, Google Apps, Etherpad, …
Cloud-Dienste,
Software as a Service (SaaS),
die universell einsetzbar sind.

Das fängt an mit der Pinnwand unter Corkboard
über Brainstorming mit Mindmeister
und Projektmanagement mit Trello
bis hin zum gemeinsamen Verfassen von Büchern mit Booktype,
siehe Liste im letzten Blogeintrag.

Für den Entwickler von Software as a Service
sind Ökotope wie Chrome , Webstore und Dart interessant,
also Frameworks, Distributionsplattformen und Entwicklungsumgebungen,
mit denen sich Cloud-Dienste einfacher entwickeln lassen.

Landkarte über kollaborative Cloud-Dienste

Welche kollaborativen Cloud-Dienste gibt es eigentlich für welchen Zweck? Man bräuchte eine Übersicht über alle verfügbaren Cloud-Dienste im Sinne von Software as a Service (SaaS): einen Cloud-Atlas, eine Landkarte über Cloud-Services. Welche Werkzeuge bietet die Cloud bereits?

Der Chrome-Browser von Google hat sein eigenes Ökotop entwickelt, siehe https://chrome.google.com/webstore/category/apps. Ebenso stehen für Safari und Firefox jede Menge Extensions und Plugins zur Verfügung, siehe https://addons.mozilla.org/de/firefox/ und https://extensions.apple.com. Welche Apps funktionieren jedoch Browser-unabhängig, natürlich moderne Browser mit HTML5-Support vorausgesetzt?

1. Es fängt an mit simplen Malwerkzeugen und Diagramm-Editoren. Das Besondere ist: (1.) Alles liegt im Web, ist von jedem jederzeit erreichbar. Sogar vom Smartphone aus kann man noch mitarbeiten, also mitmalen. (2.) Alles ist kollaborativ. Man kann miteinander arbeiten, während man miteinander telefoniert, skyped, chattet, … und alles im normalen Webbrowser ohne zusätzliche Softwareinstallation. Bei einigen Werkzeugen ist kein Kauf, keine Miete, nicht einmal eine Registrierung erforderlich. Die Geschäftsmodelle sind unterschiedlich.

2. Pinwände

3. Brainstorming

4. Kollaboratives Dokumentenmanagement

5. Kollaborative Autorenschaft, Kollaboratives Buch-Schreiben

6. Customer Relationship Management (CRM)

7. Terminverwaltung

8. Project Management

9. Workflow Management

10. Unternehmensressourcenplanung, Enterprise Ressource Planning (ERP)

11. Cloud-Dienste für Entwickler

12. Performance Monitoring

13. Finanzierung mittels Crowdfunding

14. Bereitstellung des gesprochenen Wortes

15. Kollaborativ Musik komponieren, erstellen, machen …

16. Online Identitymanagement

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Natürlich gibt es auch schon einen Cloud-Dienst für die Listung aller Cloud-Dienste, z.B. Webwarelist. Auch Top-10-Listen über die besten Cloud-Services werden bereits geführt, siehe z.B. http://www.zdnet.com/beyond-google-apps-the-top-10-related-cloud-services-7000013269/

Verantwortung der Wissenschaft

Das Problem der Adipositas (der Fettleibigkeit) nimmt volkswirtschaftliche Ausmaße an. Dadurch, dass es immer wieder auf den freien Willen jedes Einzelnen abgeschoben wird, verweigert die Politik die Verantwortung für die volkswirtschaftlichen, sozio-ökonomischen und systemischen Ursachen. Sogar „Der Spiegel“ nimmt sich diese Woche in der Ausgabe „10/2013“ dieses Thema vor.

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Die Industrie muss Gewinn machen, das ist ihr Job. Der freie Markt muss sich selbst regulieren, das ist sein Job. Alles Verlockende wird optimiert. Das Suchtpotenzial wird so effektiv wie möglich eingesetzt. Wissenschaft und Forschung helfen dabei, wo es geht.

„Wie viel ausgeklügelte Forschung hinter diesem alltäglichen Erlebnis [des Essens] steckt, ahnt kaum einer der Abermillionen, die der Versuchung … erliegen.“ (Zitat „Der Spiegel, 10/2013)

Wenn Wissenschaft und Forschung dazu beitragen können, Süchte mit volkswirtschaflichem Ausmaß hervor zu bringen, stellt sich die Frage, ob sie diese mit ihren eigenen Mitteln auch wieder einfangen kann? Ein Abschieben auf das individuelle Versagen des einzelnen Essers ist eine Ausrede. Zumindest Kinder können noch keine Verantwortung für ihre Adipositas übernehmen. Der Anstieg der Adipositas-Rate bei Kindern führt das Versagen des Systems vor Augen.

Was kann volkswirtschaftlich, sozio-ökonomisch und systemisch getan werden?

  • Verbot von Transfetten: Einerseits: „In New York und Philadelphia (USA) ist durch ein Gesetz die Verwendung von Transfetten für die Zubereitung von Speisen in Restaurants, Imbissstuben, Lokalen, Cafés und Konditoreien seit Mitte 2008 vollständig verboten. In Kalifornien sind Transfette seit 2010 in Restaurants verboten. Seit 2011 dürfen die Fette nicht mehr in Produkten enthalten sein, die im Einzelhandel angeboten werden.“ und andererseits: „Zu anderen gesundheitlichen Auswirkungen Triglyceriden der trans-Fettsäuren wie zu hoher Blutdruck, Insulinresistenz, Krebsrisiko und Allergien liegen nach Auffassung der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit keine ausreichend aussagekräftigen Untersuchungen vor.“ und „Seit Mitte 2012 existiert in Deutschland eine gemeinsame Initiative des Verbraucherschutzministeriums und der Lebensmittelwirtschaft zur Minimierung von trans-Fettsäuren in Lebensmitteln. Hierzu gehören eine Rahmenleitlinie und sieben produktgruppenspezifische Leitlinien, in denen Wege zur weiteren Minimierung aufgezeigt werden.“ (alle Zitate Wikipedia) Eine Leitlinie ist kein Verbot. Der volkswirtschaftliche Schaden durch Transfette übersteigt das Sparpotenzial in der Lebensmittelproduktion. Ganz zu schweigen vom menschlichen Leid, dass durch Adipositas verursacht wird.

Bei der Forderung, Suchtpotenziale im Ernährungssystem systematisch zu erforschen und zu verbieten, stösst man zu schnell auf die vorgefertigten Antworten „Das kann man nicht“ und „Jeder ist seines Glückes Schmied“, „Niemand muss Junkfood kaufen“, auch wenn es sich um künstliche, wissenschaftlich erforschte und industriell erzeugte Suchtpotenziale im Ernährungssystem handelt. Der wissenschaftliche Streit um die Wirksamkeit systemischer Maßnahmen führt zur Untätigkeit des Systems. So jetzt auch wieder bei dem Streit um Zigarettenwerbung. Wörtlich heißt es: „Es sollen Änderungen an einer EU-Richtlinie durchgesetzt werden. … Die Wirksamkeit von Warnhinweisen sei umstritten.“ Hier blockiert wissenschaftlicher Streit offenbar volkswirtschaftlichen Fortschritt. Sollte nicht viel mehr von jeder Seite alles getan werden, was getan werden kann? Es ist schwierig genug.

In den USA ist der Leidensdruck und die Handlungsbereitschaft offenbar schon größer: Auf dem Uni-Campus wird Fastfood verboten. Michelle Obama engagiert sich mit einem 115 Millionen Euro schweren Programm gegen Adipositas. Sie tritt z.B. in der Sesamstraße auf, zeigt dort, wie man gesund kocht. Damit wird erneut die individuelle Verantwortung adressiert, nicht die systemische. Beide Seiten haben ihre Berechtigung und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Idealistische Bildungsmodelle

In seinem Podcast „Folge 2: Liebe dich!“ warnt Gunter Dueck nach Minute 20:00 vor idealistischen Bildungsmodellen (mit idealistischem Menschenbild):

Neue Unterrichtsformate wie „Flipped classroom“ oder „Umgedrehter Unterricht“ setzen voraus, dass die Schüler oder Studierende zuhause eifrig gelesen und gearbeitet hätten, um gut vorbereitet in die Diskussion im Klassenraum einsteigen zu können. Dies entspricht nicht der Realität. Zu unterscheiden sind vielmehr die verschiedenen Menschentypen (Hauptthema in Omnisophie) mit ihren unterschiedlichen Lernstilen.

1. Der ideale Studierende ist brennend an den Fragen des Unterrichts interessiert und stürmt begeistert mit vielen eigenen Fragen in den Klassenraum.

2. Praktisch veranlagte Studierende lernen am besten durch „learning by doing“, „training on the job“, Praktika und Erfahrungen in Projekten.

3. Der Theoretiker will einen Überblick über alles haben, den roten Faden erkennen, den Zweck und Sinn dahinter verstehen und diskutieren.

4. Pflichtmenschen wollen einfach gesagt bekommen, was sie zu tun haben, um dann nach der fest vereinbarten Zeit nach Hause gehen zu können.

Es gibt verschiedene Lehr- und Lernstile, die zueinander passen sollten. Dazu müsste man verschiedene Vorlesungen mit den jeweiligen Stilen halten oder gar 4 verschiedene Hochschulen anbieten:

1. Für den idealen Studierenden muss die Hochschule viel Freiraum, viele Anregungen, viel Selbststudium, viel kreativen Freiraum anbieten. Der vielbeschworene Shift „From teaching to learning“ ist hier angebracht. Der Dozent reduziert sich auf die Rolle des Fach- und Lernberaters. Dies ist an einigen Elite-Hochschulen auch der Fall.

2. Praktisch veranlagte Studierende brauchen dagegen Projekte, in denen sie selber etwas machen können. Labore müssen zur Verfügung stehen. Programmieren könnte für diese Menschen als Weg zum Mathe-Lernen genutzt werden. Mathematik ist für diese Menschen als Handwerkskasten „begreifbar“. Gamification könnte für diese Gruppe hilfreich sein.

3. Der Theoretiker braucht Bücher, Literatur, Vorlesungen, Diskussionen sowohl mit den Mitstudierenden, als auch mit den Dozenten.

4. Pflichtmenschen brauchen ein Programm, das sie abarbeiten können, mit Aufgaben, Deadlines und Punkten, die sie gewissenhaft sammeln und auf ihrem Konto verbuchen können.

Lehre, die den Durchschnitt aller dieser verschiedenen Lerntypen adressiert, geht an jeder Zielgruppe vorbei.

Wenn die Bildungsdiskussion sich zu sehr auf Typ 1 fokussiert, werden die anderen drei Typen vernachlässigt.

Diversität gibt es auch in den Lehr- und Lernstilen, -formaten, -methoden und -theorien. Diversitätsmanagement bedeutet den bewussten, gesteuerten und evaluierten Umgang damit.

Oder gibt es gar keine unterschiedlichen Lernstile? Neueste Kognitionsforschung sagt Nein:
„Es gibt keine unterschiedlichen Lernstile!“ „Learning Styles don´t exist.“

Der Grund ist, dass der Schwerpunkt des Lernens nicht im Visuellen oder Auditiven oder Kinästhetischen oder Olfaktorischen liegt, sondern in Bedeutung. Es ist hauptsächlich abstrakte Bedeutung, die im Unterricht vermittelt werden soll, nicht Bilder im fotographischen Gedächtnis, nicht Klang der Worte in der Vorlesung, …

Das Video endet mit den Worten: „Gute Lehre ist gute Lehre. Gute Lehrer müssen ihren Lehrstil und ihre Methodik NICHT an den Lernstil der Studierenden anpassen.“ Man könnte auch hinzufügen, dass gute Bildungspolitik gute Lehrer nicht unter Druck setzen sollte, sich anzupassen. Diversität erzeugt keinen Handlungsdruck in der Didaktik.

Das FAQ zu der Kognitionsforschung im Bereich „Learning Styles“ findet man im „Daniel Willingham Science and Education Blog“.

Bewusstsein als neue Didaktik-Dimension

Bis 1995 war das Thema „Bewusstsein“ ein CKM (Career Killing Move, slang for a bad job/political action, Karriere beendende Entscheidung). Wer sich das Thema auf seine Forscherfahnen geschrieben hatte, war verloren. Er wurde von der Forschergemeinde nicht mehr ernst genommen und in die Esoterik-Ecke abgeschoben. Das hat sich seit 1995 grundlegend geändert. Hier hat offenbar ein Paradigmenwechsel nach Thomas S. Kuhn stattgefunden. Auch Francis Crick, der berühmte Nobelpreisträger und Entdecker der DNS (DNA), glaubte daran, dass die Rätsel des Bewusstseins in den nächsten 30 Jahren geknackt werden können. Besonders hilfreich sind dabei die neuen empirischen Befunde der Neurowissenschaften. Sie liefern verlässliche Daten, auf deren Grundlage Theorien zuverlässig falsifiziert werden können. Sie sind jedoch nur wichtige Datenlieferanten und empirisches Untersuchungsfeld. Die Theorien können auch aus anderen Wissenschaften kommen. Philosophie könnte möglicherweise eine Renaissance in seiner wissenschaftlichen Bedeutung erleben. Informatik – verstanden als eine Wissenschaft komplexer Systeme und Systemik und nicht nur als Techniklieferant – könnte hier auch eine wachsende Rolle spielen.

Während die Didaktik noch mit dem Transfer von Wissens- zur Kompetenzorientierung beschäftigt ist, kündigt sich am Horizont schon die nächste Welle von Veränderungen an: Die Hinzunahme einer weiterer Dimension zur Betrachtung didaktischer Tätigkeiten und Wirkungen, die Dimension des Bewusstseins.

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Dieses dreidimensionale Koordinatensystem der Bildung habe ich bereits in meinem Blogeintrag vom 8. Juli 2011 erläutert.

Das spiralige Modell der Bildung in dem Koordinatensystem aus Wissen („Was weiß ich?“) und Kompetenzen („Was kann ich?“) und Bewusstsein („Was sehe ich? / Was nehme ich wahr?“) könnte ganz praktische Auswirkungen im didaktischen Design und Curriculum haben: Wenn Studierende im ersten Semester z.B. die Vorlesung Algebra hatten, so werden sie in einem höheren Semester noch einmal mit dem gleichen Thema konfrontiert, indem man sie zu Tutoren für die Erstsemester-Übungen in Algebra ausbildet. Sie arbeiten dann mit dem gleichen Thema aus einer völlig anderen Perspektive, nämlich als Tutoren und Lehrende. Dadurch wird einerseits das Wissen in Algebra und die Kompetenzen des Rechnens und Beweisens vertieft und andererseits etliches bewusst, was im ersten Semester in der Einseitigkeit des Schülerdaseins untergegangen war und diesmal mit der neuen Rolle des Lehrenden die Chance hat, endlich wahrgenommen zu werden.

Mit dem neuen Thema „Bewusstsein“ stellen sich im Bildungssystem neue Fragen: Haben unsere Bildungseinrichtungen und -maßnahmen eigentlich zu mehr oder zu weniger Bewusstsein geführt? Welche Erweiterungen bewirken sie und welche (gewollten und ungewollten) Reduktionismen? Sind wir uns dessen bewusst oder ist es nur ein nicht beachtetes Nebenprodukt? Haben unsere Bildungseinrichtungen und -maßnahmen überhaupt Auswirkungen in der Bewusstseinsdimension oder ist dies zur Zeit Privatsache? Sind sich unsere Bildungseinrichtungen der jeweiligen Veränderungen im Bewusstsein bewusst, die sie zu verantworten haben?

Eine gute Einführung in die moderne Bewusstseinsforschung gibt Metzinger in seinen Mainzer Vorlesungen, erhältlich als DVD-Set:
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Interessant sind hier auch die Schilderungen Metzingers zum historischen Umfeld des Paradigmenwechsels 1995: In Deutschland begegnete ihm geschlossene Ablehnung. Nur durch die Fürsprache des Grandseigneurs der medizinischen Psychologie, Ernst Pöppel, wurde ihm Duldung gewährt. Bei seinem Forschungsaufenthalt in San Diego in Kalifornien wurde ihm dagegen Mut gemacht, den neuen Weg zu gehen.

Kurzgefasste Vorträge gibt es beim SWR: SWR2 Wissen: Aula, Das letzte Rätsel der Philosophie, Was ist das Bewusstsein, Teil 1 bis 3.

Was Niklas Luhmann für die Soziologie war, könnte Metzinger für die Bewusstseinsforschung in Deutschland werden. Was der Reduktionismus bei Luhmann war („Was ist Gesellschaft? Gesellschaft ist ein Codex von Regeln zur Wahrnehmungsreduktion.“), ist die Blindheit mit ihren vielen Varianten in der Bewusstseinsforschung:

Verblüffend ist das Video von Christopher Chabris und Daniel Simons. Allerdings ist es für die Wirksamkeit essenziell, dass das Auditorium wirklich auf die Aufgabe einlässt, die Anzahl der Pässe von weiß zu weiß in dem Video zu zählen. Ein wenig theatralisch ist das Video mit den Worten einzuführen, dass diese Aufgabe alleine wichtig sei. Die Aufmerksamkeit des Auditoriums ist vor Beginn des Videos auf die Aufgabe zu fokussieren. Viele Studierende in der Mainzer Vorlesung (siehe DVD) haben das nicht getan und daher auch den Effekt der Unaufmerksamkeitsblindheit nicht in diesem Experiment an sich selbst erlebt. Sie würden sich aber etwas vormachen, wenn sie darauf den Schluss ziehen würden, „besser zu sein“ oder „vor dieser Blindheit gefeit“ zu sein. Sie haben sich lediglich nicht auf die Aufgabe eingelassen.


Aufgabe: Zählen Sie die Anzahl der Pässe von weiß zu weiß. Erst danach Erläuterungen lesen.

Wer hat gut gezählt, war aber ansonsten blind?

(Oh, welche Symbolik in dieser Fragestellung! )

Experimente mit diesem Video haben ergeben, dass 90% der Probanden, die gut gezählt haben, ansonsten blind waren.

In dieser Symbolik stellt sich für unser Bildungssystem die Frage, was denn das Bildungsziel sein soll: etwa nur gut zählen zu können?

Keine elektronischen Geräte im Klassenraum

Als Reaktion auf die Vorgabe „Keine elektronischen Geräte im Klassenraum“ („No electronic devices in classroom„) hat in folgendem Video ein Student eine herkömmliche mechanische Schreibmaschine in die Vorlesung mitgebracht, um den Tafelinhalt abzutippen: