Der Glaube an unsere Internet-Sicherheit ist Cargokult

Magisch-mythische Denk- und Glaubensformen heißen heute Cargokult oder Cargo-Kult. Beispiele findet man in der langen Liste der Cargo-Kultformen.

Cargokult gibt es auch in der Informatik, sogar in der grundlegenden Sicherheitsbranche:

So etwas Grundlegendes wie die Internet-Sicherheit ist einem Cargokult zum Opfer gefallen. Der Glaube an unsere Sicherheit im Internet mittels https (Jeder glaubt an das Schloss-Icon im Browser), SSL, TLS, … ist Cargokult, wie Daniel Molkentin es in seinem Blog-Post „Fighting Cargo Cult – The Incomplete SSL/TLS Bookmark Collection“ beschreibt. Dies hat er auch auf der Froscon 2014 in seinem Vortrag ausführlich erklärt, siehe Video des Vortrag (en).

Portale für die Informatik-Lehre

In [Sanders 2013] beschreiben Kate Sanders, Marzieh Ahmadzadeh, Tony Clear, Stephen H. Edwards, Mikey Goldweber, Chris Johnson, Raymond Lister, Robert McCartney, Elizabeth Patitsas, und Jaime Spacco die vielen Portale, die es mittlerweile zur Unterstützung für die Informatik-Lehre gibt:

Außerdem beschreiben Sie Ihre eigene Datenbank an Informatik-Prüfungsfragen, die „Canterbury QuestionBank„. Sie besteht aus Multiple Choice-Prüfungsfragen (MC) für die beiden grundlegenden Informatik-Einführungsveranstaltungen, in den USA genannt CS1 und CS2. Die Bloomsche Taxonomie wird unterstützt, d.h. die Fragen werden nach Schwierigkeitsgrad klassifiziert. Die Klassifikationen sind „Knowledge, Comprehension, Analysis, Application, Synthesis, and Evaluation“, siehe Kap. 3.2.8 auf S. 37. Dabei verteilt sich die Häufigkeit der gesammelten Aufgaben auf die verschieden Stufen der Bloomschen Taxonomie wie folgt:

Bloom Level Anzahl Prozent
Erinnern 116 23%
Verstehen 185 36%
Anwenden 18 4%
Analysieren 165 32%
Synthese 21 4%
Evaluation 5 1%

Offenbar sind Anwenden, Synthese und Evaluation am schwierigsten in MC-Fragen zu verpacken. Alle Informatik-Dozentinnen und -Dozenten sind eingeladen, zu der Datenbank weitere interessante Aufgaben beizutragen. Dadurch erreicht man einerseits Arbeitsteilung und andererseits Konsens im grundlegenden Wissens- und Kompetenzkanon eines Fachgebietes. Bei der Nutzung des Internets für diesen Zweck sollte die Informatik mit gutem Beispiel voran gehen.

Literatur

[Sanders 2013] Kate Sanders, Marzieh Ahmadzadeh, Tony Clear, Stephen H. Edwards, Mikey Goldweber, Chris Johnson, Raymond Lister, Robert McCartney, Elizabeth Patitsas, and Jaime Spacco. 2013. The Canterbury QuestionBank: building a repository of multiple-choice CS1 and CS2 questions. In Proceedings of the ITiCSE working group reports conference on Innovation and technology in computer science education-working group reports (ITiCSE -WGR ’13). ACM, New York, NY, USA, 33-52. DOI=10.1145/2543882.2543885 http://doi.acm.org/10.1145/2543882.2543885, http://dl.acm.org/citation.cfm?id=2543882

Einführung in das wissenschaftliche Schreiben mit Ludwig Wittgenstein

Die beiden Philosophien von Ludwig Wittgenstein eignen sich gut
zur Einführung ins wissenschaftlichen Schreiben:

(1) Erste Stufe des wissenschaftlichen Schreibens

Nur sagen, was sich objektiv sagen und belegen lässt.
Über alles andere sollte man schweigen, d.h. weglassen.
Subjektive Meinungen und Vorlieben haben in einer wiss. Arbeit nichts zu suchen.
„Ich“ und „Wir“ sind in der wiss. Arbeit verboten.

Vorurteile sind als solche zu erkennen und forschend durch belegbare Urteile zu ersetzen.
Methodisches, reflektiertes Vorgehen ist dabei Pflicht.

Das was sich sagen lässt, lässt sich klar und deutlich,
gut strukturiert und nachvollziehbar sagen.

Formale Kriterien, richtiges Zitieren gehören dazu,
siehe „Regeln für wissenschaftliche Arbeiten
oder „Leitfaden zur Erstellung von wissenschaftlichen Arbeiten
oder [Heesen 2014] Bernd Heesen: „Wissenschaftliches Arbeiten –
Methodenwissen für das Bachelor-, Master- und Promotionsstudium“
http://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-43347-8

(2) Zweite Stufe des wissenschaftlichen Schreibens

Wissenschaftliches Schreiben versucht immer wieder,
die Grenze des Sagbaren zu verschieben.

Zunächst beginnt es subjektiv mit vagen Vorstellungen und
diffus wahrgenommenen Diskrepanzen und Dissonanzen,
deren Spur man systematisch folgt,
um immer klarer objektiv „be-greifen“ zu können,
um was es eigentlich geht.
Forschen und Detektivarbeit haben viel gemein.

Es handelt sich also um einen Prozess aus der Subjektivität heraus
in das Begreifen des Objektiven hinein.

Sabine Knauer beschreibt in [Knauer 2006] diesen Prozess
treffend folgendermaßen:

„Ich versuche […] einen Weg aus der Sprachlosigkeit,
im […] Sinne in einer metasubjektiven Reflexion
‚Begriffe‘ herauszuarbeiten und anzubieten,
mit denen man bisher nicht Gesagtes ‚sagbar‘ machen kann,
womit es nicht nur der sozialen Selbstverständigung zugänglich wird,
sondern ggf. auch in wissenschaftlicher Rede verbreitet
und zur Diskussion gestellt werden kann.“

Die beiden Stufen entsprechen ungefähr den beiden Philosophien Wittgensteins:
(1) Tractatus (die frühe Philosophie Wittgensteins)
(2) Sprachphilosophie (die späte Philosophie Wittgensteins)

ad (1): Die erste Stufe beruht auf dem Weltbild,
dass es eine objektive Wahrheit gäbe
und ich nur meine eigene Subjektivität genügend unterdrücken müsse,
um der Wahrheit näher zu kommen.
Mein Wollen, meine Interessen, Meinungen und Vorlieben muss ich mir also selbst verbieten,
dann würde es mit dem wissenschaftlichen Arbeiten klappen.
Diese Art von wissenschaftlicher Arbeit ähnelt
eher einer kombinatorischen Suche wie beim Puzzeln.
Input ist ein Problem, Output ist eine Lösung.
Computer können diese Art von Arbeit gut unterstützen,
vielleicht eines Tages sogar selbstständig übernehmen?

ad (2): Zur zweiten Stufe kommt man durch die Wiederentdeckung des Subjekthaften.
Das eigene Wollen, meine Interessen, Meinungen und Vorlieben
sind Quelle und Motor des Prozesses.
Ich bleibe authentisch und muss nichts unterdrücken.
Wissenschaftliches Arbeiten wird hier zu einer ganz persönlichen Angelegenheit,
die man mit Leidenschaft verfolgt und die sich an der gefundenen Realität reibt
ohne etwas zu unterdrücken oder zu ignorieren,
weder im Objektiven noch im Subjektiven.

Das Weltbild der zweiten Stufe sieht das Subjekt nicht mehr
als „Störenfried des Objektiven“ oder als „Fehler im wissenschaftlichen System„,
sondern ganz im Gegenteil als willkommene Quelle und Motor.

Erste und zweite Stufe hören sich wie Gegensätze an,
sind es aber nicht, denn es gilt Beides:
In einer wiss. Arbeit sollte man objektive Erkenntnisse erzielen und nachvollziehbar dokumentieren.
Es gibt objektive Kriterien, die zu beachten sind.
Und gleichzeitig gibt es den Prozess des wiss. Arbeitens,
in dem das Subjektive beachtet und reflektiert werden
und nicht aus dem Dunkeln heraus unbewusst steuern sollte.

Eine Parallele liegt darin, dass die beiden Philosophien Ludwig Wittgensteins
zunächst als Gegensatz begriffen wurden und erst in neueren Auslegungen
die Kontinuität und Weiterentwicklung (also der Reifeprozess) verstanden wird,
vgl. Ludwig Wittgenstein.

Mit der zweiten Stufe soll nicht subjektiver Willkür Tür und Tor geöffnet werden.
Der Maßstab ist und bleibt die objektive Realität,
die mit der je eigenen subjektiven Erkenntnismöglichkeit erschlossen wird.
Das Subjektive darf jedoch nicht als Konstante vorgestellt werden,
sondern durchläuft selbst einen Reifeprozess,
mit dem die Erkenntnismöglichkeiten wachsen.

Am besten gehen beide Prozesse Hand in Hand:
Auf der einen Seite die Gewinnung objektiver Erkenntnisse,
auf der anderen Seite der Prozess der Subjektreifung.

Subjekte können nicht „erzogen“ werden, sie können nur reifen.
So etwas wie eine „Erziehungswissenschaft“ gibt es nicht für Subjekte,
obwohl sich ein Teilbereich der Bildungswissenschaften so nennt.

Für die Reifung kann man förderliche oder hinderliche Rahmenbedingungen schaffen.
Das Gesellschaftssystem gibt solche Rahmenbedingungen vor.
Deren Wirkung, nicht deren gute Absicht, ist immer wieder wissenschaftlich zu hinterfragen.

Der technische Anteil dieses Rahmens wird immer größer.
Informatik sollte zu einer Wissenschaft der Systemgestaltung reifen,
anstatt nur das technische Rüstzeug dazu zu liefern.

NSA, Google und Facebook wissen heute schon mehr über jeden Menschen
als die eigenen Freunde, Eltern und Dozenten.
Wer oder was erzieht eigentlich unsere Kinder wirklich?

Bereits jetzt ist das Google-Suchergebnis kein objektives mehr,
sondern angepasst an das fragende Subjekt, das auf diese Weise
in der Google-Filter-Bubble gefangen gehalten wird,
vgl. meinen Blog-Eintrag „Filter Bubble“.
Facebook experimentierte bereits „erfolgreich“ mit Manipulationstechniken,
siehe „Datenschutz-Aktivisten gehen gegen Facebook-Experiment vor„,
Facebook verteidigt umstrittenes Psycho-Experiment„,
Facebooks Psycho-Experiment wurde ’schlecht kommuniziert‘„.
Individuelle ebenso wie nationale oder gar globale Steuerung
und Manipulation sind damit leicht und unbemerkt möglich.
Das ist keine technische Frage von Datenschutz mehr.
Der Gesellschaft ist offensichtlich die Kontrolle entglitten:
Obwohl die Kontroll- und Steuerungsmöglichkeiten ständig wachsen,
ergreift die Gesellschaft keine Schutzmaßnahmen.
Die Gesellschaft hat sich selbst als Subjekt vergessen.
Statt eines reifen, aufgeklärten Umgangs mit diesem Problem
erleben wir ein Wiedererstarken der Subjektextremisten,
die das Problem mit Gewalt zu lösen versuchen.

Die Subjektvergessenheit oder gar -feindlichkeit ist nicht nur ein individuelles Problem,
sondern auch ein gesellschaftliches.
Eine wissenschaftsgläubige Gesellschaft der Stufe (1) bleibt subjektfeindlich,
solange sie das Subjekt als „Störenfried des Objektiven
oder als „Fehler im wissenschaftlichen System“ betrachtet.
Eine Weiterentwicklung zu Stufe (2) wird zu einer dringlichen gesellschaftlichen Aufgabe.
Dazu muss auch das Bildungssystem etwas beitragen.

Wittgenstein hat seine erste Philosophie 1918 geschrieben
im Glauben, dass dies das letzte Wort der Philosophie sei.
Alles was man sagen könne, sei nun gesagt.
Er brauchte immerhin Jahrzehnte, um zu reifen und
auf der neuen Reifestufe begreifen zu können, dass etwas fehlt.
Daher brauchen wir uns nicht zu schämen,
wenn auch „wir“ (individuell oder als Gesellschaft)
etwas Zeit von Stufe (1) zur Stufe (2) benötigen.

Literaturhinweis:
[Knauer 2006] Sabine Knauer: „Zur (Wieder-)Entdeckung der Lehrkräfte als Subjekte – Ein subjektiv-wissenschaftliches Plädoyer für einen Tabubruch“

http://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2F978-3-531-90221-0_14.pdf

%0 Book Section
%D 2006
%@ 978-3-531-14857-1
%B Schulentwicklung
%E Rihm, Thomas
%R 10.1007/978-3-531-90221-0_14
%T Zur (Wieder-)Entdeckung der Lehrkräfte als Subjekte – Ein subjektiv-wissenschaftliches Plädoyer für einen Tabubruch
%U http://dx.doi.org/10.1007/978-3-531-90221-0_14
%I VS Verlag für Sozialwissenschaften
%8 2006-01-01
%A Knauer, Sabine
%P 241-256
%G German

[Heesen 2014] Bernd Heesen: „Wissenschaftliches Arbeiten –
Methodenwissen für das Bachelor-, Master- und Promotionsstudium“
http://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-43347-8
ISBN: 978-3-662-43346-1 (Print) 978-3-662-43347-8 (Online)

[Kabalak 2007] Alihan Kabalak, Birger P. Priddat: „Wieviel Subjekt braucht die Theorie? Ökonomie/Soziologie/Philosophie“, Springer, 2007, http://link.springer.com/book/10.1007/978-3-531-90413-9.

Nicht quantifizierbare Qualität

Kant: „Die Qualität des Seienden ist allen Begriffen der Quantität schlechthin unzugänglich.“

Wir kennen aus der Entwicklungspsychologie die verheerende Wirkung „unlösbarer Aufträge“, die z.B. Eltern ihren Kindern mit auf den Weg geben und damit die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen. Welche Aufträge gibt die Gesellschaft den Bildungseinrichtungen mit?

Wenn uns nun „von außen“ der Auftrag erreicht, wir mögen unsere Qualität messbar sichtbar machen, sollte diesem Dialog zumindest der gedankliche Vorbehalt des Königsbergers vorausgehen, um in keinen argumentativen Hinterhalt zu geraten.

Öffnung der Hochschulen

Das Video von Lecture2Go ist leider nur im Flash-Format und daher auf vielen mobilen Geräten nicht abspielbar. Sorry.


Originalseite unter https://lecture2go.uni-hamburg.de/konferenzen/-/k/14467

 

Podiumsgespräch 2012

Öffnung der Hochschulen

Vortrag Gesine Schwan

  • Offene Hochschulen sind in der Theorie nicht umstritten. Es gibt nur Widerstand in der Praxis, meist von älteren, männlichen Professoren.
  • Es spricht nichts dagegenn, aber es gibt viel, was dagegen wirkt.
  • falsches Selbstwertgefühl, falscher Stolz
  • Zielkonflikt: Öffnung vs. Qualität
  • Das Erkenntniserwerbsprinzip sei an einem Kindergarten nicht viel anders als an einer Hochschulen, wenn es gelingen soll. (Schwan kennt also keinen Entwicklungsprozess und keine Stufen der Entwicklung. Die Methode bleibe immer gleich. )
  • In POen werde noch ein sehr primitives Weltbild praktiziert. „Akademische Qualität“ sei ein Schockwort.
  • Humboldtsches Bildungsideal: forschend lernen aus eigener Erfahrung in Kommunikation mit anderen, die auch lernen. Ergebnis sei, dass man das Gelernte in seinem Begründungszusammenhang nachvollziehen kann.
  • Das Humboldtsche Lernen sei überall in der Wirklichkeit möglich. Die Hochschule sei dafür kein besonderer Raum. Die Hochschule wird sogar zu einem besonders schlechten Raum, wenn er sich abschneidet von anderen Tätigkeitsfeldern.
  • Potenzialentfaltung statt Mängelbehebung!
  • Konventionell: Frontal + Multiple Choice. Die gut organisierten schaffen das.
  • Potenzialentfaltung kümmert sich um jeden. 3 x Lehrpersonal + Peer Learning …
  • Offene Hochschulen bedeute konsequente Erhöhung der Ressourcen für Hochschulen. Die Heterogenität der Studierendenschaft lasse sich nicht anders bewältigen. Andernfalls werde es unehrlich.

Notizen Podiumsdiskussion

  • Gesine Schwan: „Es gibt eigentlich nichts, was gegen Offene Hochschulen spricht, aber Vieles, was dagegen wirkt.“
  • Offene Hochschulen hat NICHT das Ziel, noch mehr Menschen an die HSen zu bekommen, noch mehr Menschen an den alten Typus „Normstudent“ anzupassen

Gründe für Offene Hochschulen

  • Potenzial nicht ausgeschöpft
  • manche Menschen-Typen nicht hinreichend gewonnen
  • Selektivität des Systems HS fehlerhaft
  • Zu wenig Nicht-Akademiker-Kinder an Hochschulen
  • Zu wenig Migranten an Hochschulen
  • HS noch nicht „intellektuelle Heimat“ für diese Gruppen
  • Problem: große Binnendifferenzierung des deutschen Bildungssystems ohne genügenden Brücken zwischen den verschiedenen Systemen

Ziele des Projektes „Offene Hochschulen“

  • Transdisziplinarität Berufspraxis <=> Wissenschaft
  • Berufspraxis <=> Wissenschaft zusammen bringen, vernetzen
  • Wissenschaftskonzept neu hinterfragen
  • Wie geht der akademische Betrieb mit der Gesellschaft um?
  • Wie geht die Gesellschaft mit dem akademischen Betrieb um?
  • Ist das Thema „Offene HSen“ lediglich eine neue Akquise-Strategie für Hochschulen?

Welche Art von Öffnung ist gemeint?

  • nicht quantitativ, sondern qualitativ

Ideal „Ganzheitliche Bildung“

  • Vorbild Skandinavien

Akademische Qualität

  • große Unterschiede bei Absolventen

Erfolgsfaktoren für die Karriere

  • akademische Qualifikation nicht Voraussetzung
  • gesunde Mischung
  • Diversität in der Arbeitswelt

Strukturen schaffen für zweiten akademischen Frühling

  • Akademische Forschung nach langer Berufserfahrung

Weichen werden viel früher gestellt

  • Schulen haben eine soziale Trennung eingebaut

AG „First-Generation Academics“

  • Bedürfnisse aufnehmen und Maßnahmen entwickeln
  • z.B. Sicherung von Selbstwertgefühl

Zielgruppenkonzept der Hochschulen neu konzipieren

  • Nicht mehr nur der 19-jährige Abiturient
  • Brücken zu allen anderen Bildungsuniversen
  • Diversität
  • Industrie braucht nicht nur akademische Elite
  • Gesellschaft braucht nicht nur akademische Elite

Grundannahmen des akademischen Studiums hinterfragen:

  • Was ist überhaupt akademisch?
  • Muss der Professor die Rolle der akademischen Autorität übernehmen?
  • Weiß der Professor tatsächlich mehr als der Student?
  • Müssen wir Präsenz verlangen?
  • Abitur?
  • Bewertung?
  • Prüfung?
  • Einzelleistung?
  • alleine lernen?
  • Theoretisches Lehrbuch statt praktischer Projekte?
  • Deduktive statt induktive Methoden?
  • Welche Standardisierungen wollen wir?
  • Welche Garantien wollen wir geben?

Wissenschaft 2.0

  • Erst die neue Wissenschaftskultur entwickeln, konstruieren, bestimmen.
  • Dann die Strukturen und Prozesse.
  • Dann die Technik dahinter legen.
  • Sehr viel Rückenwind von der Gesellschaft.
  • Keine Industrialisierung der Wissenschaft!

Offene Hochschulen = „Bildung Unlimited

  • Studium Generale / Individuale
  • Zersplitterung in Fachdisziplinen nur oberflächlich gut

Zielkonflikt Binnendifferenzierung <=> Einheit

  • 100 Jahre Optimierung der Bildungsanstrengungen hat durch Standardisierung und Selektion zu einer immer weiter gehenden Binnendifferenzierung geführt.
  • 50 Jahre Offene Kulturen und Europa verlangen immer mehr nach Pluralität, Interdisziplinarität bis hin zur Integration. Wir brauchen nicht nur Spezialisten, sondern auch Generalisten.
  • 20 Jahre Globalisierung und Internet hat zu einer Innovationsbeschleunigung in den Berufen geführt, für die nicht mehr standardisiert ausgebildet und selektiert werden kann.

Zielkonflikt Selektion <=> Inklusion

  • Selektion: Wir wollen nur die Besten.
  • Inklusion: Niemand darf verloren gehen.
  • => Jeder soll der Beste werden
  • Optimierung der Potenzialhebung
  • Ignorieren der Grenzen der Potenzialhebung
  • => Der Lehrer ist schuld, weil noch nicht hinreichend optimiert?

Offene HSen vs. Öffnung der HSen

  • rechtliche Regelung
  • Liberalisierung des HS-Zugangs
  • 50% des Studiums können auch außerhalb erworben sein
  • => keine Auswirkungen, weil es zu wenig Nicht-Traditionell-Studierende gibt.
  • Welche Rahmenbedingungen braucht eine offene Hochschule? Schwan: Dreimal so viele Dozenten!
  • Chemnitz: 2+4. 2 = Studierfähigkeit.
  • Hebammenfunktion

Öffnung =? Weiterbildung / Öffnung zur Weiterbildung

  • Weiterbildender Master: plötzlich das Prinzip der totalen Kostendeckung?
  • Unsinnig: Wer 1 Jahr Berufserfahrung vor seinem Master sammelt, muss plötzlich alles selber zahlen.

Kapazitätsverordnung verhindere, dass man Kapazitäten in einen berufsbegleitenden Bachelor schiebe.

Fazit: 

  • Nicht nur Öffnung für eine neue Klientel, sondern auch kulturelle Öffnung.
  • Mehr Öffnung erfordert mehr Geld und Personal.
  • „Die IT rettet die Öffnung“.
  • Der politische Wille und die wirksamen Systemanreize passen nicht immer zusammen.
  • Wer lebenslanges Lernen will, dürfe das nicht bestrafen.
  • Bildung auf Sparflamme funktioniere nicht.

GML²-Tagungsband 2014 erschienen

Die Tagung „Grundfragen Multimedialen Lehrens und Lernens 2014“ (GML² 2014) in Berlin hatte dazu eingeladen, aus den Projekten der Hochschulen im Qualitätspaktes Lehre über den Aspekt „eLearning“ zu berichten. Nun ist der Tagungsband zur GML² 2014 unter http://www.gml-2014.de/Tagungsband-GML-2014/index.html erschienen. Die Druckversion (Waxmann Verlag) ist demnächst erhältlich.

Der Tagungsband gibt eine gute Übersicht über den Aspekt „eLearning“ im Qualitätspakt Lehre in Deutschland.

Unser eigener Beitrag ist auf S. 355 zu finden. Im letzten Abschnitt habe ich mir erlaubt, auch einmal in die Zukunft zu schauen:

Trotz aller Erfolge ist uns klar, dass wir auf dem jetzigen Stand der eLearning-Implementation nicht stehen bleiben dürfen. Das Internet durchläuft zurzeit neue Revolutionen auf allen Ebenen von der tiefsten Technik (Real-Time Web, SPA, SPDY, …) bis hoch zu neuen Nutzungsszenarien (Mobile First, Response Design, Mobile Games, Mobile Learning, Peer Learning, Action Learning…). Meines Erachtens gibt es zuwenig Investition in die Informatik in diesem Bereich. Was wir brauchen ist ein Lern-Ökosystem auf dem neuesten Stand der Technik, über das gemeinsame Anstrengungen gebündelt werden können und Ergebnisse leichter ihren Nutzen entfalten können. Die Quoten von Sharing und Reuse sind noch viel zu schlecht, das Festhalten an alten Strukturen noch zu stark, vgl. The Post-LMS LMS.

Weiterhin: Die Sicherheitsdiskussionen, die durch die NSA-Affäre angestoßen wurden, sind noch erschreckend lückenhaft. Politische Konsequenzen wurden fast keine gezogen. Ob es sich die europäische Wissenschaftslandschaft jedoch erlauben kann, dass NSA und Facebook mehr über jeden einzelnen Studierenden wissen als die eigenen Dozenten, Freunde, Eltern und mit welchen eLearning-Szenarien wir in Zukunft arbeiten wollen, bleiben wichtige Fragen. Europa braucht ein eigenes, vertrauenswürdiges Lern-Ökosystem auf dem neuesten Stand der Technik. Diese politische Konsequenz sollte der europäischen Politik zur Kernsicherung von Zivilisation (vgl. Chomsky) und Wohlstand (innerer ebenso wie äußerer) am Herzen liegen.

Projekte des Qualitätspaktes Lehre an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg: