GML²-Tagungsband 2014 erschienen

Die Tagung „Grundfragen Multimedialen Lehrens und Lernens 2014“ (GML² 2014) in Berlin hatte dazu eingeladen, aus den Projekten der Hochschulen im Qualitätspaktes Lehre über den Aspekt „eLearning“ zu berichten. Nun ist der Tagungsband zur GML² 2014 unter http://www.gml-2014.de/Tagungsband-GML-2014/index.html erschienen. Die Druckversion (Waxmann Verlag) ist demnächst erhältlich.

Der Tagungsband gibt eine gute Übersicht über den Aspekt „eLearning“ im Qualitätspakt Lehre in Deutschland.

Unser eigener Beitrag ist auf S. 355 zu finden. Im letzten Abschnitt habe ich mir erlaubt, auch einmal in die Zukunft zu schauen:

Trotz aller Erfolge ist uns klar, dass wir auf dem jetzigen Stand der eLearning-Implementation nicht stehen bleiben dürfen. Das Internet durchläuft zurzeit neue Revolutionen auf allen Ebenen von der tiefsten Technik (Real-Time Web, SPA, SPDY, …) bis hoch zu neuen Nutzungsszenarien (Mobile First, Response Design, Mobile Games, Mobile Learning, Peer Learning, Action Learning…). Meines Erachtens gibt es zuwenig Investition in die Informatik in diesem Bereich. Was wir brauchen ist ein Lern-Ökosystem auf dem neuesten Stand der Technik, über das gemeinsame Anstrengungen gebündelt werden können und Ergebnisse leichter ihren Nutzen entfalten können. Die Quoten von Sharing und Reuse sind noch viel zu schlecht, das Festhalten an alten Strukturen noch zu stark, vgl. The Post-LMS LMS.

Weiterhin: Die Sicherheitsdiskussionen, die durch die NSA-Affäre angestoßen wurden, sind noch erschreckend lückenhaft. Politische Konsequenzen wurden fast keine gezogen. Ob es sich die europäische Wissenschaftslandschaft jedoch erlauben kann, dass NSA und Facebook mehr über jeden einzelnen Studierenden wissen als die eigenen Dozenten, Freunde, Eltern und mit welchen eLearning-Szenarien wir in Zukunft arbeiten wollen, bleiben wichtige Fragen. Europa braucht ein eigenes, vertrauenswürdiges Lern-Ökosystem auf dem neuesten Stand der Technik. Diese politische Konsequenz sollte der europäischen Politik zur Kernsicherung von Zivilisation (vgl. Chomsky) und Wohlstand (innerer ebenso wie äußerer) am Herzen liegen.

Projekte des Qualitätspaktes Lehre an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg:

Landkarte für den Bildungsdiskurs

In Berlin gab es am 5.6.2014 bei dem Wettbewerb „Innovative Studieneingangsphase“ des Stifterverbandes auch Konzepte, die den Studienanfängern bei der Frage „Wer bin ich?“ helfen sollten. Eine Psychologin aus einem Team, das sich selbst als „Geballte Frauenpower“ bezeichnete, sah unterstützende Maßnahmen bei dieser Frage als zentrale Idee in ihrem Antrag vor. Daraufhin wurde sie aus der Jury von einem Philosophen gefragt: „Liebe Frau, die Frage ‚Wer bin ich?’ ist min. 2500 Jahre alt und immer noch nicht zufriedenstellend gelöst. Ich selbst bin jetzt über 50 und weiß es immer noch nicht richtig. Wie können Sie es dann von jungen Studienanfängern erwarten, dass diese mit dieser Frage zurecht kommen und eine Antwort finden? Ist das nicht eine Überforderung der Studienanfänger?“ Daraufhin verteidigte die Psychologin ihr Konzept mit dem Argument, dass die Psychologie gute Methoden und Werkzeuge entwickelt habe und solchen Leuten in dieser Frage sehr gut zu einer Antwort verhelfen könne. Sie biete sich auch zu seiner Beratung an. Einem Mann über 50, der nicht wisse, wer er sei, könne geholfen werden. Das erzeugte natürlich Gelächter im Publikum.

Offenbar reden Psychologin und Philosoph aneinander vorbei. Der Psychologin geht es um einen pragmatischen Ansatz, Studienanfängern bei der Studienorientierung und Studienfachwahl zu helfen. Dafür mag ihr Konzept dienlich sein. Gleichzeitig ist es eine Beschränkung auf Pragmatismus, ohne einer tieferen Sinnsuche Raum zu geben.

Dem Philosophen hingegen geht es mehr um die Frage als um die Antwort. Der praktischen Philosophie ist es wichtig, dass jeder Mensch für sich selbst die Frage „Wer bin ich?“ lebendig hält und immer wieder neu stellt. Jede Antwort kann nur eine Momentaufnahme sein und nicht endgültig. Wer sich selbst verwirklichen will, muss sich oft ändern. Das hängt mit dem Erwachsenwerden und dem einher gehenden Reifeprozess zusammen. In diesem stellt sich die Frage immer wieder neu. Wer bei einer definitiven Antwort stehen bleibt, ist in seiner Entwicklung stecken geblieben. Wer an einem starren Selbstbild festhält, ist innerlich erstarrt. Ein Studium darf sich nicht auf reinen Pragmatismus beschränken, sondern auch Raum für Reifeprozesse geben. Kindlichkeit in Erwachsenenkörpern hat die Gesellschaft schon genug.

Die Bildungsdebatte benötigt offensichtlich Landkarten, auf der die unterschiedlichen Ebenen des Bildungsdiskurses abgebildet werden können. Dann würde deutlich, dass lediglich unterschiedliche Standpunkte und Sichtweisen vorliegen, die durchaus nebeneinander stehen bleiben können und beide ihre Existenzberechtigung haben. Wenn jedoch der eine Standpunkt sich dem anderen gegenüber weit überlegen fühlt, wäre das nur ein Zeichen mangelnder Einsicht oder gar Ignoranz.

Wettbewerb "Innovative Studieneingangsphase" gewonnen

Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und vier weitere Hochschulen sind die Sieger im Wettbewerb „Innovative Studieneingangsphase“ von Stifterverband und Heinz Nixdorf Stiftung, um neuen Studierenden den Einstieg ins Studium zu erleichtern und damit den Studienerfolg zu erhöhen, siehe Pressemitteilung des Stifterverbandes.

Insgesamt hatten sich 110 Hochschulen an der Ausschreibung von Stifterverband und Heinz Nixdorf Stiftung beteiligt, 45 Universitäten, 61 Fachhochschulen und vier Kunst- und Musikhochschulen. 12 Hochschulen (7 Unis und 5 FHs) erreichten das Finale und durften ihre Konzepte bei einer Auswahlveranstaltung in Berlin vorstellen. Das folgende Bild zeigt die 12 Finalisten:

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Drei Vertreter jeder Hochschule durften in einer öffentlichen Sitzung das eigene Konzept 20 Minuten präsentieren und 20 Minuten vor einer hochkarätigen Jury und vielen Hochschulvertretern verteidigen und diskutieren. Von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg waren dies die Studentin der Elektrotechnik Lilian Degen, der Professor für Elektrotechnik Herr Prof. Dr. Jürgen Apfelbeck und als Vizepräsident für Lehre, Studium und Weiterbildung meine Wenigkeit. Das Konzept der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zielt auf einen zweigleisigen Einstieg in ein Vorsemester für Studierende mit erhöhtem Förderbedarf, der entweder schon vor dem Studium klar ist oder sich erst während des ersten Semesters zeigt. In beiden Fällen werden Zusatzmodule sowohl für fachliche als auch für persönliche Förderung angeboten. Damit wird das Bologna-Modell der Modularisierung in Richtung Flexibilisierung, Zielgruppenorientierung und Individualisierung konsequent weiterentwickelt. Motto: „Module ja, aber bitte nicht so starr und nicht für alle gleich!“ Besonders in der Studieneingangsphase ist dieses Konzept für die zunehmend heterogene Studierendenschaft ein entscheidender Gewinn.

In Berlin wurden am 4. und 5. Juni 2014 zwei Universitäten und drei Fachhochschulen ausgezeichnet. Stimmberechtigt waren Jury und Publikum mit zwei getrennten Voten. Interessanterweise kamen sowohl Jury als auch Publikum zu dem gleichen Ergebnis.

Wir freuen uns auf das Projekt, das bereits Juli 2014 startet.

TheoPrax Preis Ausschreibung 2011

Die TheoPrax Stiftung unterstützt erneut Projektarbeit mit Ernstcharakter u.a. in Hochschulen mit ihrer Ausschreibung 2011.

Ausgezeichnet werden beispielhafte lehrplan- bzw. studienplanintegrierte Projektarbeiten mit Ernstcharakter

  • im Rahmen von Forschung und Entwicklung neuer Produkte, Verfahren und Dienstleistungen
  • die durch Anwendung neuer Technologien und Kommunikationswege eine Markterschließung von Produkten, Prozessen oder Dienstleistungen ermöglichen bzw. verbessern
  • die zu gesellschaftlich relevanter Unterstützung von Veränderungsprozessen beitragen

Die gesamte Projektbearbeitung muss im Zeitfenster Oktober 2009 und 15.07.2011 liegen.

Es werden Preisgelder in Höhe von insgesamt 6000,- Euro, sowie Urkunden vergeben.