Akademisches Schreiben mit Zotero

Akademisches Schreiben wpid-PastedGraphic3-2013-01-26-10-431.tiff wird heute mit Tools gut unterstützt, z.B. Zotero:

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Über webbasiertes Lernen gibt es bereits Zotero-Gruppen „Wilson_Web-based learning“ und „Weber_scenario based e-learning„. Dort kann man Literatur und Weblinks gemeinsam verwalten, darüber diskutieren und kollektive Zettelkästen organisieren. Allerdings verlangen die Prüfungsordnungen, sogar mit einer eidesstattlichen Erklärung, dass man die wissenschaftlichen Leistungen selber ohne Hilfe erbracht hat. Das wiederum spricht gegen kollektive Zettelkästen, so interessant diese Idee auch sein mag.

Egospiel oder Lösungsspiel

Nach der Selbstmodell-Theorie Metzingers hat jede Person ihren eigenen Egotunnel mit der eigenen Komfortzone, Selbstgefühl und Identitätsgefühl. Das Verlassen dieser Komfortzone kann als schmerzhaft empfunden werden. Es kann zu einer Abwehr kommen. Die Abwehrhaltung verhindert Lernen und Weiterentwicklung. Da fehlt Offenheit.

Lebenslanges Lernen hat entscheidend mit dieser Offenheit zu tun. Geht das: Kann ich eine alte Komfortzone verlassen und eine neue betreten, ohne dass eine Katastrophe mich dazu zwingt, sondern aus Einsicht? Das ist heute ein wichtige Frage, individuell ebenso wie kollektiv („Kann ich mich auch in einem dematerialisierten Wohlstand wohl fühlen?“, siehe Radermacher).

In Folge 4 des Podcast „Die Welt fragt, Gunter Dueck antwortet“ von Robert Kindermann und Gunter Dueck diskutieren die beiden Sprecher darüber, woran man gute Leute erkennt, die man als Jungunternehmer einstellen oder als Gutachter für die Stiftung des deutschen Volkes fördern würde, sagt Dueck: „An der Wachheit kann man es sehen. Wenn man den Leuten in die Augen schaut, sieht man, ob sie wach sind.“ Darauf erwidert Kindermann: „Ja, stimmt. An der Leidenschaft in den Augen.“

Das ist nicht dasselbe. Wachheit ist nicht Leidenschaft. Gerade die sehr tunneligen Leute verteidigen ihren Egotunnel sehr leidenschaftlich. Dabei mögen sie wach und ausgeschlafen sein. Aber sie tragen eine Art Scheuklappen. Und diese kann man an ihrem Blick sehr gut erkennen. Da fehlt Offenheit. Das sind später die Kolleginnen und Kollegen, die einen Standpunkt einnehmen und ewig dabei bleiben, die eher zum Kampf der Standpunkte, zum Krieg der Egos gegeneinander als zur Weiterentwicklung neigen.

Oder es kommt zu der friedlicheren Variante des Egospiels: Das Egospiel ist das Spiel des einen Egotunnels mit dem anderen Egotunnel. Die verschiedenen Komfortzonen bleiben erhalten, ergänzen sich gegenseitig, bestätigen sich manchmal sogar. Die Tunneligkeit bleibt dieselbe.

Was nicht erwähnt wurde, ist das Merkmal der Offenheit. Das ist noch mal etwas anderes als Wachheit und Leidenschaft. Gunter Dueck bringt es später in dem Podcast auf den Punkt: Wie verhalten sich Leute, wenn sie kritisiert werden, z.B. vor den Gutachtern oder bei den jährlichen Gehaltsverhandlungen: (a) Sie verteidigen sich, ihr Verhalten, ihre Entscheidungen, ihre Selbst- und Weltsicht. (b) Sie lernen: „Ja, stimmt. In Punkt X könnte ich Y besser machen.“ Sie sind offen und nehmen die Kritik als willkommenen Anlass, um sich weiter zu entwickeln. Dazu gehört auch der Blick auf die Schwächen, Schattenseiten und Fehlentscheidungen.

Neben dem Egospiel gibt es auch das Lösungsspiel: Da sind zwei Personen, Du und Ich, und ein Drittes, die Sachlage, die Wahrheit oder sonst irgendeine Form des Absoluten. Das ist wie eine Gleichung mit 2 Variablen und einer Konstanten. In dem Zusammenspiel liegen Offenheit, das Austarieren der verschiedenen Selbst- und Weltsichten und damit das Potenzial zur Weiterentwicklung beider Parteien, zum lebenslangen Lernen auf beiden Seiten. Das ist kein Kampf der Standpunkte, sondern ein offener Diskurs. Diskursfähigkeit ist seine Voraussetzung. Diskursbefähigung ist heute das wichtigste Bildungsziel.

Bildungsziel Professionalität und Führungsqualitäten

In seinem neuen Buch „Professionalität“ argumentiert Gunter Dueck für eine Neuausrichtung unserer Bildungsziele auf Professionalität:

  • „Professionalität im Wissenszeitalter erfordert eine andere Art von Intelligenz.“
  • „Reines Fachwissen wird dabei immer unbedeutender.“
  • „Unsere unternehmerische Persönlichkeit steht immer stärker im Vordergrund.“

In der „duz“ vom 16.11.2012, Ausgabe 12/2012, S.12, definiert der Berater und Trainer Ruedy Baarfuss, Geschäftsführer der Malik Management GmbH, Führungsqualitäten wie folgt:

  1. Eine gute Führungskraft sorgt für Ziele.
  2. Sie organisiert die Arbeit, die zur Zielerreichung notwendig ist.
  3. Sie trifft Entscheidungen.
  4. Chefs müssen die Arbeit kontrollieren (was keiner gerne übernimmt).
  5. Mitarbeiter gewinnen und fördern.

Hinzu fügen möchte ich:

  • Mitarbeiter begeistern.
  • Ziele müssen aus einer konsistenten Vision heraus abgeleitet werden.

Eine konsistente Vision ist selten das Ergebnis einer Kommission und eines Kompromisses. Dazu haben die Teilnehmer einer Kommission zu viele unterschiedliche Interessen und Vorstellungen.

Zu einer konsistenten Vision zu kommen (nicht zu vielen Visionen. Dazu Altkanzler Helmut Schmidt: „Wer Visionen hat, der soll zum Arzt gehen.“) und diese über den gesamten Projektverlauf aufrecht zu erhalten, ist die hohe Kunst.

Zukunftsbefähigung

Zukunft ist immer ungewiss.
Dieser Ungewissheit kann man nun ängstlich gegenüber stehen
und sich krampfhaft an dem Alten festhalten,
damit man wenigstens hier Sicherheit hat.

Komplexes Denken kann zu einem Zukunftsverhinderer werden.
Weil man sich mit so vielen Wenn-s und Aber-s beschäftigt,
handelt man lieber gar nicht
und kommt so nie vom Fleck.

Die Zukunft willkommen heißen bedeutet
die Chancen zu nutzen, die das Neue bietet.

Zukunftsbefähigung ist eine Art Kreativ-Training,
weniger auf die Risiken und mehr auf die Chancen zu schauen
und diese auch zu nutzen, so gut es eben geht.
Das Alte ist dabei nicht unser Feind,
sondern Grundlage, Voraussetzung oder auch nur Zwischenschritt,
den man hinter sich lässt.

Zukunftsbefähigung ist eine Art Training,
seine Chancen zu nutzen,
nicht gierig, sondern wach,
bewusst, wissend, umsichtig, nachhaltig.

(Hinweis: Unsere Hochschule betreibt zwei Master-Studiengänge
Master Innovations- und Informationsmanagement,
und Master Technik- und Innovationskommunikation,
die diese Zusammenhänge viel gründlicher beleuchten.)

(Zweiter Hinweis. Dazu passend auch das Interview des Stifterverbandes mit Gunter Dueck.)

Omnisophie in 20 Minuten

Gunter Duecks Philosophie in Kurzfassung:

Gunter Dueck spricht hier von „Wohlgefühl“. Das entspricht der „Selbstheit“ bei Metzinger. Man könnte es auch „Komfortzone“ nennen. Dies macht in jedem Fall einen wesentlichen Teil des Ego-Tunnels aus, d.h. die Art und Weise, wie wir uns selbst wahrnehmen.
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Gunter Dueck spricht das Problem der Mitte an, die sich daran orientiert, was „man“ macht und geschätzt 90% unserer Verhaltensanteile ausmacht. Diese Mitte ist sehr konservativ und ändert sich sehr langsam. Als Beispiel nennt er die Landbevölkerung in Ägypten im arabischen Frühling. Gute Ansätze scheitern an der Trägheit dieser Masse.
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Das andere wichtige Problem ist der heutige, allgemeine Trend von links (Intuition, Rechtshirn) über die Mitte (Verstand, Linkshirn) hin nach rechts in seinem Diagramm (Instinkt, Bauchgefühl). Instinkthaftes Handeln ist nicht intuitives Handeln und wird leider damit häufig verwechselt. Wie lauten die modernen Managerseminare? Bauchentscheidungen: Man soll nicht so lange nachdenken, sondern aus dem Bauch heraus handeln. Dieser fatale Trend ist damit gemeint. Die Finanzkrise ist ein Ergebnis.

Duecks Philosophie kennt also Bauch, Kopf und Intuition. Was fehlt ist Herz, was er in seinen mündlichen Erläuterungen der Intuition zugerechnet hat … Typisch Mathematiker! … Außerdem meine ich, dass die x-Achse falsch beschriftet ist mit „Lebensintensität“: Man kann auch sehr intensiv in der Intuition oder im Verstand leben. Instinkthaftigkeit steigert nicht unbedingt die „Lebensintensität“. Es ist eben nur die Intensität des instinkthaften Lebens, das mit der Instinkthaftigkeit intensiviert wird.

Intuition würde ich auch nicht so einfach mit Rechtshirn gleich setzen. Der Verstand ist im Wesentlichen ein Automatisierungsorgan und das Rechtshirn ist zu einem großen Anteil der Sitz des Automatisierten. Automatisierte Aktionen und Reaktionen aus dem Rechtshirn erscheinen uns „wie aus dem Himmel gefallen“, sind manchmal jedoch einfach nur dort einprogrammiert. Das Automatisierte darf nicht mit Intuition verwechselt werden.

Da fällt mir (intuitiv?) Habermas ein: „Das Projekt der Aufklärung ist noch nicht vollendet.“ Oh nein. Manchmal zeigen sich auch gegenläufige Trends und die Gesellschaft entfernt sich auch wieder davon, siehe letzter Blogeintrag Phase 2: Konsolidierung. In dem großen Menschheitsprojekt der Aufklärung geht es nicht wirklich darum, einen signifikanten Anteil der Menschen aus dem Bauch in den Kopf zu bekommen, sondern aus der Unwissenheit und Unbewusstheit zum Wissen und zur Bewusstheit, egal ob es um Bauch-, Herz- oder Kopf-Wissen oder gar Intuition geht. Wer kann schon differenzieren, woher ein Impuls, ein Gedanke stammt, aus dem Bauch, aus dem Herzen, aus dem Kopf oder aus der Intuition? Jeder kann für sich sehen, wie viel Wissen und Bewusstheit hier vorhanden sind oder auch nicht.

Lernkurven sind treppenförmig

Lebenslanges Lernen hat seine eigenen Gesetze und Formen.

Lernkurven sind treppenförmig.

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Bei jeder Stufe sind 3 Phasen zu unterscheiden:

  • Phase 1: Der nächste Schritt führt weiter zu einer nächsten, höheren Stufe.
  • Phase 2: Konsolidierungsphase, Lernergebnisse sichern, Nest bauen, sich an seine neue Komfortzone gewöhnen.
  • Phase 3: Integrationsphase: Alles bisher Gelernte der vorherigen Stufen hinein nehmen.

Wenn man zu sehr mit dem eiligen Weitergehen beschäftigt ist,
verpasst man die Konsolidierung.
Dann hat man es einmal richtig gemacht,
anschließend jedoch wieder falsch.
Man kreist gewissermaßen um das Richtige, das neu Gelernte,
weil man sich noch nicht daran gewöhnt hat.
Alte Gewohnheiten sind noch stärker.

In Phase 2 geht es darum, sich ein Nest zu bauen, sich in dem Neuen zuhause zu fühlen.
Komfortzone und Selbstheit (im Selbstmodell Metzingers) wachsen nicht so schnell mit.
Es braucht Zeit und Geduld, Ausdauer und Wiederholung.
Erst nach einer gewissen Gewöhnungsphase ist das Gelernte stabil.
Man hat es sich zu eigen gemacht, internalisiert.

In Phase 2 ist es normal,
wenn man das Alte ablehnt,
um dem Neuen eine Chance zu geben.
Ist das Neue erst einmal stabilisiert, kann auch die Ablehnung aufhören.
Dann beginnt Phase 3, die Integration,
in der man lernt, allem Vorhergehenden
einen angemessenen Platz oder Rolle zu geben.

Wenn man die Integrationsphase überspringt,
bleibt das Wissen bruchstückhaft und zusammenhanglos.
Man hat viel angehäuft, aber es ergibt noch kein Ganzes.
Man hat viel gelernt, ist aber deswegen noch lange nicht weise.

Wenn man andererseits mit zu viel Beharrungsvermögen
immer auf der gleichen Stufe bleibt,
geht Lernen nicht weiter.
Dann verpasst man den nächsten Schritt.
Man fühlt sich in seinem Nest so wohl,
dass man nicht mehr weiter gehen möchte.
Aus dem Nest wird ein Gefängnis.
Die Offenheit geht verloren.

Wenn man den Vorteil eines Lehrers oder Peer Coaches hat,
sollte man ihn nutzen.
Selber das Heft des Lernens in die Hand nehmen,
Wissensstrukturen und Kompetenzen aktiv selber konstruieren,
das Gelernte anwenden,
führt zu Erfahrungen und Erlebnissen,
die Lernen um so viel lebendiger und erfahrbarer macht.
Aus der Praxis heraus Fragen zu stellen
und den Vorsprung des Lehrers zu nutzen,
um selber Missverständnisse auszuräumen
und fehlende Bauteile im Wissensgerüst zu entdecken,
macht Lernen so viel effektiver, umfassender,
gründlicher, tief gehender, nachhaltiger.