Auch die letztendlichen Dinge haben System

Was sind die Hürden im Zugang zum systemischen Denken?

Die erste Hürde liegt in der Abstraktion. Wir sind immer irgendwo drin, in einem Geschehen, in einer Geschichte, in einem Auftrag, in einer Dynamik. Wir sind so in alltäglichen Erfordernissen, Zielen, Abwehr, Wünschen oder Ablehnen vertieft, dass für Übertägliches kein Raum mehr bleibt.

Die zweite Hürde liegt in den gefundenen Abstraktionen. Wenn es immer die gleiche Antwort ist, kann das Fragen nicht echt sein. Wenn es immer die gleiche Erkenntnis ist mit immer der gleichen Abstraktion, scheint für neue Erkenntnis mit neuen Abstraktionen kein Raum zu sein.

Auch die letztendlichen Dinge haben System.

Vogelperspektiven-Kompetenz

Der britische Archäologe und Historiker Ian Morris überblickt in seinem Buch „Wer regiert die Welt?“ 15.000 Jahre Menschheitsgeschichte, siehe Spiegel Online Interview. Solche Vogelperspektiven sind sehr hilfreich, um die Gesamtentwicklung zu verstehen. Nicht nur „Global denken, lokal handeln!“, sondern sogar das globale Geschehen verstehen, um vernünftig lokal handeln zu können.  Beim Verstehen kommt es gar nicht so sehr auf den, die, das Einzelne an, beim Handeln schon.

Ausgehend vom Morris-Axiom werden Faulheit, Angst und Habgier als Antriebskräfte der Gesamtentwicklung identifiziert: „Veränderungen werden von faulen, habgierigen, verängstigten Menschen bewirkt, die nach leichteren, profitableren und sichereren Wegen suchen, ihr Leben zu führen.“ Wer 15.000 Jahre überblickt, muss zu solch einem Schluss kommen: Das sind die anthropologische Konstanten.

Hinzu kommt seiner Einsicht nach: „Und sie wissen dabei nur selten, was sie eigentlich tun.“ Die Gesellschaft befindet sich in einem Blindflug und glaubt, über einen freien Willen zu verfügen und steuern zu können. Die Geschichte zeugt vom Gegenteil.

Sein Resumée: „Entweder schaffen wir eine Transformation, die die industrielle Revolution weit übertreffen und die meisten unserer Probleme lösen wird, oder wir taumeln in eine Katastrophe, wie es noch keine gab.“ Jedoch: „Die Welt lässt sich nicht per Willenskraft verändern.“, durch neues, global kommuniziertes Denken schon: „Jede geschichtliche Periode bekommt das Denken, das sie braucht.“ Vogelperspektiven-Denken und -Verstehen gehören sicherlich auch zu den erforderlichen Kompetenzen dieser und der nächsten Generationen.

Tabula Rasa-Kompetenz

Die Grundprinzipien sind immer dieselben, sonst wären sie keine Grundprinzipien. Ob man die Grundprinzipien im Studium oder beim Reiten lernen kapiert, ist völlig unerheblich.

Schuld kommt aus der Vergangenheit und Verantwortung richtet sich auf Zukunft. Wer Verantwortung nur für Vergangenes übernimmt, entzieht sich seiner Verantwortung für Zukunft.

Die systemischen Antreiber aus der Vergangenheit sind Ausgleichsstreben und gefühlte Gerechtigkeit. Ein System strebt immer nach Ausgleich, so oder so. Solange wir uns von diesen Antreibern blind steuern lassen, bleibt es beim Blindflug. Im Streben nach Ausgleich wird selbst wieder Ungerechtigkeit in die Welt gesetzt. So kann es nie aufhören.

Erschwert wird das Aufhören durch die Multidimensionalität. Es handelt sich nicht um eine Systemik, sondern um die Überlagerung vieler paralleler Systemiken (Multi-Systemik) existenzieller, familiärer, beruflicher, gesellschaftlicher, nationaler, kultureller und religiöser Art. Das Zusammentreffen an einem Ort nennen wir Person oder Persönlichkeit, dabei handelt es sich nur um die Summe von Programmierungen und geglaubten Zwängen.

Um die Blindheit zu überwinden, braucht es die Kompetenzen, Unmöglichkeiten als solche zu erkennen, Möglichkeiten wahrzunehmen und drittens beides voneinander unterscheiden zu können und viertens daraus eine Handlungskompetenz zu gewinnen.

Zukunft mitgestalten, ohne sich blind von den Antreibern der Vergangenheit steuern zu lassen, setzt einen gewissen Lösungsprozess voraus: Man löst sich aus den systemischen Verstrickungen, dem zwanghaften Ausgleichen wollen, dem zwanghaften Streben nach gefühlter Gerechtigkeit, indem man erkennt, wo der Zwang herkommt, was da eigentlich nach Ausgleich strebt und welche Ungerechtigkeit endlich aus der Welt geschafft werden soll. Freier Wille setzt Bewusstsein voraus, sonst ist es nur das Wirken einer Programmierung angesichts der wahrgenommenen Zwänge. Da Wahrnehmung immer selektiv ist, muss Ausgleich unvollständig bleiben, was die Ursache für die Schaffung neuer Ungerechtigkeiten ist.

Die Kompetenz zur Entstrickung (als Gegenbewegung zur Verstrickung) nennen wir plakativ die Tabula Rasa-Kompetenz. Immer wieder neu anfangen. Als Anfänger frisch und unbefangen an die Gegenwarts- und Zukunftsgestaltung herangehen. Anfänger-Geist statt in Komplexität verstrickter, eindimensional optimierender Roboter.

Die Tabula Rasa-Kompetenz ist das Sich-Selbst-Herausziehen (eine Art Rückwärtsgang) aus dem Scheinwissen, den Voreingenommenheiten, den Scheingefühlen und dem Scheingewissen hin zu der sokratischen Weisheit des Nichtwissens, sowohl des Nichtmehrwissens als auch des Nochnichtwissens.

Die Tabula Rasa-Kompetenz darf jedoch nicht als Verdrängung oder Flucht missbraucht werden, sonst ist sie nur eine weitere Spielart der Blindheit und löst neue Ungerechtigkeiten aus. Auf dem leeren Tisch (lat. tabula rasa) kann man die Gegebenheiten übersichtlicher ausbreiten. Übersicht schafft Klarheit. Das ist die Chance zum Klarlernen.

Test Blogsy App

Swipe im Blogsy App muss man erst einmal verstehen. Mit einem Wischen wird die Schreibfläche aktiviert. Neues Gerät, neues User Interface, neue Interaktionsgewohnheiten.

iPad

Publizieren geht jetzt auch vom iPad mit dem WordPress-App … Wow!!!

Das iPad hat das Potenzial, Schule, Hochschule, Lehre und Studium zu revolutionieren, siehe Video. Die Leichtigkeit, mit der hier Lernumgebungen von Erstklässler bis zu Mathematik- und Medizinstudenten zur Verfügung gestellt werden, ist verblüffend. In der Schweiz hatte ich eine Grundschulklasse gesehen, die jeden Tag ein anderes App genommen hat, um daran zu lernen. Das dreht die Didaktik komplett um: Es wird von den Interaktionsmöglichkeiten und dem Content aus gedacht, statt von Schulbüchern.

Allerdings muss man sich bei den Apps gehörig umstellen: War man bisher von PC und Mac und Linux-Gerät gewöhnt, im eigenen Dateisystem mit einem Explorer oder Finder eigene Dateien, Texte und Ordner verwalten zu können, so wird man zunächst vergeblich danach suchen: Es gibt keinen Finder auf dem iPad!

Stattdessen arbeitet man direkt in der Cloud. Entweder direkt im Web-Browser (Safari wird mitgeliefert, iChromy ist die Chrome-Variante oder Opera, man hat die große Auswahl. Schließlich stehen alle wesentlichen Office-Applikationen auch im Web zur Verfügung. Man braucht eigentlich nur noch den Web-Browser. Der Web-Browser ist so etwas wie das neue Betriebssystem.), man sendet seine Sachen per email,  oder mit Cloud-Speicherplatz, z.B.

Wenn man z.B. eine email auf dem iPad öffnet mit einem Word „.doc“-Anhang, so kann man den Anhang direkt lesen oder mit einem Zusatz-Menü „Öffne in …“ einem anderen App übergeben. Zur Auswahl stehen bei mir die Apps Pages, GoodReader und Dropbox. Mit Pages könnte ich den Text weiter bearbeiten, mit GoodReader nur lesen und mit Dropbox verwalten, in die Cloud stellen, mit anderen teilen. In diesem Sinne kann man sagen: Dropbox ist der Finder für den iPad.

Oder man schreibt seine Texte direkt in sein Blog, so wie ich das hier tue.

Ohne Worte

„Ohne Worte“ sind Karikaturen beschriftet und wir verstehen sie sofort. Die darauf abgebildete Systemik wird sofort ohne Worte verstanden, verzögerungslos, unmittelbar, offenbar mit einem Schlag.

Über „Am Anfang war das Wort.“ kommen wir zu der Erkenntnis „Am Anfang war die Systemik.“ Wir werden alle in Systemiken hinein geboren, die uns keiner mit Worten erklärt. Kollektiv gibt es eine Systemik der Generationen, die wir leben, die uns aber keiner erklärt.

In der Informatik wurden Graphen als Abstraktion von textuellen Darstellungen sehr gefeiert. Ein Graph sagt mehr als tausend Worte. Der selbe Graph kann auf tausend verschiedene Weisen textuell dargestellt werden. Es handelt sich also um ein anderes Abstraktionsniveau, dass die Verschiedenartigkeit von textuellen Formulierungen wegabstrahiert.

Wenn man Niklas Luhmann im Original liest, bekommt man einen tiefen Einblick in systemisches Denken. Wenn man dagegen Sekundärliteratur über Systemik liest, erscheint diese Art des Denkens verwässert. Offenbar gehört systemisches Denken zu einem höheren Kompetenzniveau, das nicht allen Menschen zugänglich ist. Systemisches Denken ist absolut notwendig in unserer Zeit. Dazu muss das Kompetenzniveau gewaltig erhöht werden.

Warum ist Kompetenzorientierung eine Hype? An die nächsten Generationen wird viel Ungelöstes weitergegeben mit dem Impuls zur Transzendenz „Löst ihr für uns, was wir nicht zu lösen imstande waren.“, ohne es mit Worten zu explizieren. Niklas Luhmann weist darauf hin, dass das Verständnis von Bildung als Transferleistung von Gewusstem und Gekonntem an die nächste Generation irreführend ist: Wenn die alte Generation mit diesem Gewussten und Gekonnten gescheitert ist, braucht die nächste Generation offenbar weiter gehende Kompetenzen, um ihren Auftrag erfüllen zu können.

Damit tut sich der Zielkonflikt zwischen Treue und Transzendenz auf: Treue zur alten Systemik steht im Zielkonflikt zur Überschreitung der alten Systemik mit ihren Rollen, Zielen, Werten, Idealen, Glaubensvorstellungen, Gewussten und Gekonnten und Dynamiken. Für die Transzendenz sind weitergehende Kompetenzen notwendig, über die die alte Generation nicht ausreichend verfügte, sonst hätte sie die anstehenden Probleme ja selber lösen können, anstatt sie an die nächste Generation weiter zu reichen. Wenn die alte Generation nur ihre alten Ideale hochhält und Treue einklagt oder gar erpresst, steht sie nicht zu ihrer Verantwortung für ihr eigenes Scheitern.

Einstein brachte es treffend auf den Punkt: „Die wichtigen Probleme können nicht mit der gleichen Art des Denkens gelöst werden, mit der sie erzeugt wurden. („The significant problems we face cannot be solved by the same level of thinking that created them.„)“ Daher muss der nächsten Generation auch erlaubt sein, anders zu denken, auch wenn es der alten Generation fremd vorkommt.

Jeder junge Mensch ist eine neue Chance. Mit einer jungen, frischen Sicht auf die Dinge ergeben sich auch neue Lösungsmöglichkeiten. Hochschule wird dann nicht mehr als Stätte für Bildungstransfer (Nürnberger Trichter) gesehen, sondern als Sprungbrett für neues, eigenes Denken und neue Lösungsansätze, wie sie keine Generation vorher zu denken imstande war.

Ralph Waldo Emerson: „Imitation is Suicide. Insist on yourself; never imitate.“

Der Rumpelstilzchen-Effekt

Das Rumpelstilzchen-Märchen der Gebrüder Grimm zeigt in seiner Essenz, wie die Kenntnis des Namens erlösend wirken kann. Da tanzt etwas dämonisch herum und man ist machtlos verzweifelt. Wenn man jedoch seinen Namen kennt, verliert es seine Magie mit einem Schlag.

Mit Google kann man heute in Bruchteilen von Sekunden nachschlagen, ob es einen Begriff schon gibt, z.B. „Nullsummen-Stillstand“ aus dem letzten Blog-Eintrag. Es gab ihn bisher nicht. Diese Art von Stillstand wurde bisher nicht be-griffen: Es gab noch keinen Be-Griff dafür.

Mit Begriffen und Begriffskombinationen in dieser Weise zu spielen und darüber zu bloggen, damit der Blogosphäre neue Begriffe hinzu zu fügen, das ist die Fortsetzung des Wittgensteinsche Sprachspiel mit modernen Mitteln.

Es dauerte keine Minute, bis Google diesen neuen Begriff in seine Suchmaschine integriert hatte. Jetzt sind diese Blog-Einträge in der Trefferliste auf Platz 1 und 2:

Nullsummen-Stillstand

Technisch ist Google nur eine Suchmaschine. Sozio-Webologisch könnte man Google als Sprachspiel-Verstärker klassifizieren.

Nullsummen-Stillstand

Kennen Sie das? Alle wollen nur das Beste und ziehen mit allen Kräften – leider nur in unterschiedliche Richtungen. In der Summe heben sich die vielen guten Absichten auf. Das ist der Nullsummen-Stillstand (engl. Zero sum deadlock, See http://www.nysec.org/uploads/nysectalk070304.pdf).

Er ist sehr frustrierend, weil alle nur mit guten Absichten viel investieren, das Resultat jedoch enttäuscht. Wenn jetzt der Chef mit viel Charisma alle dazu bringt, noch stärker zu ziehen, wird noch mehr investiert und leider noch mehr Frust erzeugt, denn das Ergebnis rechtfertigt nicht die Mittel, wenn es beim Nullsummen-Stillstand bleibt.

Weil dieser Zustand still ist, entzieht er sich jeder Wahrnehmung. Es ist eine Art Ausgeglichenheit, allerdings eine sehr unproduktive. Der Nullsummen-Stillstand wird mit einer Art Lebensbalance verwechselt, an die man sich gewöhnt hat, die man kennt und in der man sich heimisch eingerichtet hat. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Nullsummen-Stillstand zum Normalzustand wird. Wenn dieser Zustand zum Normalzustand wird, entsteht ein blinder Fleck, eine Betriebsblindheit. Der sinnlose Verlust von Energie wird zum alltäglichen Begleiter. Man nimmt ihn in Kauf, weil man es nicht mehr anders kennt.

Do not work harder, work smarter!“ gilt nicht nur individuell, sondern auch kollektiv. Eine Verstärkung der Kraft-Anstrengungen bringt nichts, eine Analyse der Orientierung und eine Angleichung oder gar Unifikation der Trajektorien alles.

Twitter und Blogs als Wissenschaftsbeschleuniger im Kampf gegen Ehec

In dem Artikel „Ehec müsste eigentlich Eaec heißen“ wird berichtet, wie Twitter und Blogs als Wissenschaftsbeschleuniger im Kampf gegen Ehec wirkten. Zitat: „Nur wenige Tage später, meldeten die Chinesen: Das Erbgut ist entziffert – und machten es online für alle Welt verfügbar. Tatsächlich handelte es sich dabei um Tausende Bruchstücke DNA, die entziffert worden waren. Innerhalb von Stunden begann eine Armada von Forschern die Daten zusammenzufügen, die Sequenz mit denen anderer Erreger zu vergleichen und das ganze über Twitter und Blogs zu verbreiten. „Ich bin völlig überrascht, wie schnell das alles ging“, sagt Rohde. Alle paar Stunden schaue er online, was es Neues gibt.

Das Internet könnte das neue Betriebssystem der Wissenschaft werden. Angesichts der gewaltigen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit ist eine Explosion von wissenschaftlicher Leistungsfähigkeit essenziell. Das geht über den bloßen Bescheunigungseffekt hinaus. Dann wird Quantität jenseits einer gewissen Schwelle zu einer neuen Qualität.

Warum berichten angesichts dieser epochalen Ereignisse Journalisten großer Zeitungen nur über das Negative? Eine Soziologie von Facebook wurde von einem FAZ-Journalisten entworfen in dem Artikel „Eine Soziologie des Facebook“ und kommentiert in dem Blog „Eine Soziologie von Facebook?„, allerdings ausschließlich negativ. Das Potenzial von Web 2.0 wird weder erkannt noch erahnt. Journalisten sehen darin nur Blödsinn und einen Verfall der Sitten. Wenn Facebook mit 100 Milliarden an die Börse geht, wird das nur als Bestätigung verstanden, dass die ganze Welt verrückt geworden ist. Auch wenn die Zukunft eine Facebook-Zukunft ist, schreiben deutsche Journalisten: „Wenn das die Zukunft ist, dann ist es nicht meine Zukunft. Wenn das die Zukunft ist, dann will ich sie nicht erleben.“ So spricht eine vergangene Generation, die sich aus der Mitgestaltung von Zukunft verabschiedet hat.

In einer WDR5-Radiosendung schlug ein Teilnehmer sogar vor, das Wort „Soziale Medien“ zu ersetzen durch „Asoziale Medien“, weil sie gerade das, nämlich soziales Leben, nicht hätten. Auf die Idee, dass hier nicht Altes kopiert, sondern Neues, bisher Unbekanntes geschaffen wird, kamen weder Moderator noch Teilnehmer. Die Abstimmung geschieht jedoch nicht über ideologische Streitgespräche, sondern mit den Füßen: Über 20 Millionen Teilnehmer hat Facebook bereits in Deutschland und über 700 Millionen in der Welt. Das chinesische Pendant heißt Tencent QQ hatte im März 2011 bereits 674 Millionen Teilnehmer. (Facebook ist in China nicht zugelassen.) Zusammen ist die Milliarden-Grenze also schon längst überschritten.

Schwarmverhalten vermindert Schwarmintelligenz

Im Spiegel-Artikel „Gemeinsam sind wir dümmer“ schreibt Holger Dambeck (basierend auf den Forschungen von Dirk Helbing und seinen Kollegen an der ETH Zürich), dass die Weisheit der Massen (wisdom of the crowd) nur unter bestimmten Umständen funktioniere: Die Individuen dürfen sich nicht gegenseitig beeinflussen. Wie beim Wahlgeheimnis in einer repräsentativen Demokratie wählt jeder für sich und weiß im Wesentlichen (mit vernachlässigbaren Ausnahmen) nicht, wie andere gewählt haben. Beispiel: Wenn das Gewicht eines Stieres geschätzt werden soll, ist das Ergebnis dann am genauesten, wenn keiner von der Schätzung des anderen weiß. Der verblüffende Effekt der genauen Schätzung wird Schwarm-Intelligenz genannt. Schwarm-Intelligenz sinkt also mit dem Wissen von der Meinung anderer. Sozialer Einfluss verringert die Diversität der Antworten und damit die Qualität der Gruppen-Antwort. Vielfalt ist wichtig und hebt die Qualität.

Wie könnte ein entsprechender Satz in einer Theorie sozialer Medien lauten?

Die Schwarmintelligenz-Vermutung:
Schwarmverhalten vermindert Schwarmintelligenz

Der Grund könnte Gruppen-Dynamik sein: Man orientiert sich an gefühlten Meinungsführern und Gruppen-Leitern statt an der eigenen Meinung und am eigenen Gefühl. Der Fokus wechselt von innen nach außen.