Die Rolle des eLearning in der Gesellschaft

Welches Problem will die Gesellschaft eigentlich mit eLearning lösen?

A) Verbilligung des Studiums: Akademisierung für alle
B) Erleichterung des Studierens: Studieren „anytime, anywhere, anyhow
C) Aktivierung, Organisation und Unterstützung des Studiums
D) Vorbereitung auf die digitale Welt von morgen
E) Qualitätsverdichtung

Was sind die entsprechenden Qualitätsindikatoren?

zu A) Verbilligung des Studiums: Akademisierung für alle

Ob Akademisierung für alle ein erstrebenswertes Ziel sei, scheint gesellschaftlich noch eine offene Frage zu sein. Die OECD empfiehlt 50%, die vdi-Nachrichten titeln „Die Akademisierung breiter Schichten ist unsinnig“ (4. Januar 2013) und sehen eine sinnvolle Akademikerquote eher bei 20%. „Bei Akademikern herrscht fast Vollbeschäftigung“ titelt die Tagesschau am 26.2.2013. Prof. Gunter Dueck sieht „die Notwendigkeit des Studiums für Jeden“, siehe Youtube-Video.

„Akademisierung für alle“ hat Konsequenzen für den Bildungsmarkt: In den USA gibt es bereits Angebote, einen Bachelor für 9.999 $ „im Sonderangebot“ zu erwerben. Das geht nur durch drastische Reduktion der „contact hour„, der persönlichen, individuellen Betreuung durch Hochschulpersonal. Stattdessen werden möglichst viele Aspekte des Studierens automatisiert: Punkte werden von einem Regelsystem vergeben statt von einem menschlichen Fachmann oder einer Fachfrau. Einige Aspekte des Studierens lassen sich damit organisieren, andere nicht. Daher sind der Kostenreduktion Grenzen gesetzt.

Qualitätsindikator: „contact hour“, Akademikerquote, Beschäftigungsquote (inverse Arbeitslosenquote)

zu B) Erleichterung des Studierens: Studieren „anytime, anywhere, anyhow

Studieren ist heute schon sehr erleichtert. Dozenten stellen ihre Vortragsfolien oder gar Videos online. Studierende müssen in der Vorlesung nicht mehr mitschreiben oder gar nicht mehr erscheinen. Übungen sind online und können bequem von zuhause aus eingereicht werden. Literatursuche geht online vom Wohnzimmersessel aus. Manchmal wird das alles so leicht, dass es sich gewissermaßen in Luft auflöst: Findet echtes Studieren überhaupt noch statt? Oder nutzen Studierende alle Mittel und Möglichkeiten, um kosten- und aufwandsoptimiert so gute Noten wie möglich zu erhalten? Studieren als minimierte Nebentätigkeit?

Qualitätsindikatoren: Online Material, Selbstbedienungsfunktionen zur Studienunterstützung, Selbstbestimmbarkeit „Wie ich studieren will“, Zeitunabhängigkeit, Ortsunabhängigkeit, universelle Kompatibilität („Kann ich mir die Vorlesung auch auf meinem Android-Handy anschauen?“), Minimierbarkeit des Studiums (positiv: um andere wichtige(-re) gesellschaftliche oder familiäre Aufgaben erfüllen zu können, negativ: Minimierung des Studiums bis hin zur Nebentätigkeit)

zu C) Aktivierung, Organisation und Unterstützung des Studiums

Aus der Schule stammt die Schulmentalität, nur das zu lesen, was der Lehrer will und in der Klassenarbeit verlangt. Man lernt in der Schule nur das, was man lernen „muss„. Dergestalt sozialisiert und konditioniert, wartet man in der Hochschule darauf, dass einem jemand sagt, was man tun „muss“. Das eigene wissenschaftliche Interesse hat sich noch nicht entwickelt. Dass man einer wissenschaftlichen Fragestellung aus eigenen Stücken folgt, sich freiwillig in die Bibliothek setzt, eigenständig Bücher in die Hand nimmt und selber liest, hat sich noch nicht ergeben. An diese Art von Studierenden, zugegeben nur eine kleine Teilmenge, wendet sich das Angebot des StudiNavi zur Aktivierung, Organisation und Unterstützung des Studiums. Exemplarische Nutzungsszenarien sind folgende:

StudiNavi-Szenarien:

  • Die Vorlesung „Algebra“ findet heute ausnahmsweise in H.2 statt.
  • Zu der Klausur „BWL I“ musst du dich noch diese Woche anmelden. Das Anmelde-Portal findest du unter Link XYZ.
  • Jetzt musst du eine Lerngruppe für Algebra suchen. Das entsprechende Lerngruppen-Portal findest Du unter Link XYZ.
  • Kurz-Quizz: Wie lautet das Assoziativgesetz? (für das Microlearning in der Bahn)
  • In 6 Wochen ist Klausur in Algebra. Wenn du jeden Tag 2 Stunden lernst, kannst du es schaffen. Ein entsprechender täglicher Terminblock wurde automatisch in deinen Kalender eingetragen. Die Übungsaufgaben stehen unter Link XYZ.
  • Für die Zulassung zur „BWL II“ fehlen dir noch 6 Credits aus dem ersten Semester. Diese kannst du am schnellsten erwerben durch Teilnahme an der Lehrveranstaltung ABC.

Qualitätsindikator: Aktivierungsgrad, Organisationsunterstützung, Lernunterstützung

zu D) Vorbereitung auf die digitale Welt von morgen

Leben und Arbeit verlagern sich zunehmend ins Digitale. Die „Digital Natives“ beherrschen jedoch nur private Anwendungen, die sie zufällig kennen gelernt haben. Professionelle Anwendung der neuen Medien ist ihnen genauso fremd wie den „Digital Immigrants“. Durch den Einsatz digitaler Medien im modernen Unterricht erfolgt eine ständige Begleitung einer Einführung in die professionelle Nutzung der digitalen Werkzeuge.

Qualitätsindikator: Nutzung der neuen Medien im Unterricht, Online Hilfen aktiv im Studium einsetzen, Web 2.0 und Cloud Services in der Lehre aktiv integrieren, Verankerung im Curriculum

zu E) Qualitätsverdichtung

Nicht die Anzahl der Stunden, die man in der Hochschule verbringt, sind für die Qualität des Studiums entscheidend, sondern die „Studier-Dichte„, „Lern-Dichte“, „Qualitätsdichte“. Die Zeit, die man in einer Warteschlange verbringt, im Hörsaal desinteressiert herum gammelt oder in der Bahn auf der Fahrt zur Hochschule, ohne diese produktiv zu nutzen, trägt nicht zur Studienqualität bei. Smartphones, Tablets und Notebooks erlauben jedoch neuerdings ein „always on“ – immer online, immer studieren, niemals warten, niemals herum trödeln.

Qualitätsindikator: Angebot an „Lernverdichter“ und „Studierverdichter“

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