Flat UI

Quora ist ein digitales Experten- und Auskunftsforum, man könnte auch sagen ein Diskussionsforum der zweiten Generation, das im Juni 2009 unter anderem von Adam D’Angelo und Charlie Cheever gegründet wurde und dem es gelingt, zu aktuellen Fragen gute Antworten zu sammeln. Entscheidend ist die Qualitätssicherung, die den Diskussionsforen der ersten Generation nicht so gut gelungen war und die daher zu Gerüchteküchen und Quatschbuden verkommen waren.

In Quora findet man die interessante Diskussion „Ist Flat UI nur ein Hype oder ein Trend? Sind flache Benutzeroberflächenelemente (UI elements) die Zukunft?“.

Steve Jobs hatte bei Apple immer stark an dem Design mitgearbeitet und dieses entscheidend geprägt. Über Jahrzehnte hinweg konnte er etliche Revolutionen im Design einleiten und in die Welt bringen. Dabei waren Einfachheit, Klarheit und Leichtigkeit („Air„) wichtige Prinzipien, die wesentlich zur Benutzerfreundlichkeit (Usability) beigetragen haben. In seinem Cleanroom Design war die Farbe Weiß vorherrschend. In den Apple-Videos stehen die Sprecher häufig vor einer weißen Fläche, von der man noch nicht einmal sagen könnte, ob sie eine weiße Wand ist: Es ist keine Struktur erkennbar. Hinter dem Sprecher ist Nichts. Nichts lenkt vom Sprecher ab: absoluter Apple-Purismus. Das hat schon was vom Absoluten, von Transzendenz und Jenseitigkeit. So etwas in der harten industriellen Praxis durchzusetzen, konnte nur einer Weltfirma wie Apple gelingen.

Der neue Chefdesigner bei Apple ist Jonathan Ive, dessen Handschrift die Welt der Apple-User bei letzten Betriebssystem iOS 7 kennen lernte. Seit Oktober 2012 ist er für die Benutzeroberfläche von Apple-Software verantwortlich. Sein erstes großes Projekt war die Überarbeitung des Betriebssystems iOS 6 und die Entfernung aller skeuomorpher Designelemente.

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Im neuen Design ist alles flach, alles weiß, ohne Schnörkel, ohne 3D-Effekte, ohne Schatten. Bei der Benutzung von iOS 7 stellt man erhebliche Rückschritte in der Benutzerfreundlichkeit (Usability) fest. Während man bei iOS 6 immer wusste, welche Bildschirmteile interaktiv sind und welche nicht und das Gefühl hatte, interaktive 3D-Objekte in der Hand zu haben, die man anfassen konnte, um damit zu arbeiten, muss man sich bei iOS 7 immer wieder fragen, welche Abstraktion Jonathan Ive wohl gemeint haben könnte und wie damit zu arbeiten sei, ja sogar die Frage, welche Bildschirmteile interaktiv sind und Benutzeraktionen erlauben und welche bloß passive Darstellungen sind: In iOS 7 gibt es kein Rad mehr, an dem ich drehen kann, sondern nur noch die Zahlen.

Watch iOS 6 Morph Into iOS 7 in One GIF

Die Design-Prinzipien von Steve Jobs, Einfachheit, Klarheit und Leichtigkeit, hatten noch der Benutzerfreundlichkeit gedient. Sie waren dem Prinzip der Benutzerfreundlichkeit untergeordnet. Jonathan Ive ist zuerst Designer und dann Computer-Nutzer. Er hat die Priorisierung der Prinzipien umgekehrt und Benutzerfreundlichkeit zugunsten seiner Design-Prinzipien geopfert. Seine Prinzipientreue ist Purismus an der falschen Stelle. Die ersten Windows-Betriebssysteme sahen auch schon so aus, nicht aus Designgründen, sondern mangels CPU-Power und Speichermangel.

Die Entscheidung von Apple für Flat UI halte ich für eine philosophische Verirrung. Nicht das Aussehen ist verkehrt, sondern die Philosophie dahinter. Wie konnte einer Weltfirma so etwas passieren? Die weitere Diskussion kann man in Quora unter Do-you-think-flat-UI-elements-and-design-are-just-trends verfolgen.

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